Markgräfler Bürgerblatt

Eine Verschmelzung auf Augenhöhe

Die Vorstände der Volksbanken Müllheim und Breisgau Süd – oder des neuen Institutes Breisgau Markgräflerland (v.l.): Karin Ortlieb (Müllheim), Norbert Lange (Müllheim), Jörg Dehler (Breisgau Süd) und Matthias Engist (Breisgau Süd). Foto. paw

Künftige Zentrale für Steuerung und Produktion – das Gebäude der Volksbank Breisgau Süd im Gewerbepark Eschbach. Foto: paw

Volksbanken Müllheim – Breisgau Süd

Eschbach. In elf Wochen, am 18. und 19. April, entscheiden die Vertreterversammlungen der Volksbanken Müllheim und Breisgau Süd über eine Fusion, die man wohl zu Recht als eine der durchdachtesten und bestvorbereiteten bezeichnen kann. Zwei Institute, die sich regional ergänzen, die gleiche Kultur pflegen und geschäftlich gut zusammenpassen, haben sich zur „Verschmelzung“ entschlossen. „Wir übernehmen nicht, wir fusionieren nicht – wir verschmelzen, denn wir haben die ganzen Verhandlungen und Vorbereitungen stets auf Augenhöhe geführt“, betonen unisono Norbert Lang, Vorstandschef in Müllheim und designierter Vorstandsvorsitzender der neuen Volksbank Breisgau-Markgräflerland, und Jörg Dehler, heute Chef in Heitersheim, dann Stellvertreter.

23 Filialen, mehrere SB-Filialen und zwei Hauptstellen, die weiter ausgebaut und beratungstechnisch aufgewertet werden sollen, gehören dann zur neuen Bank, deren technische Verschmelzung am 23. Juni erfolgen soll. Dieser Vorgang ist übrigens der einzige, der mit rund 500.000 Euro zu Buche schlägt, alles andere habe man mit Teams aus beiden Häusern selbst erarbeitet, wie Lange betont. Alle Mitarbeiter werden übernommen, es wird, das unterstreichen die Bankchefs, keine betriebsbedingten Entlassungen geben. Ja, man hofft, dass das dann größere Finanzinstitut attraktiv für Fachkräfte und potentielle Auszubildende sein wird, denn, so Dehler, man leide derzeit schon auch unter Fachkräftemangel. Knapp zwei Mrd. Euro wird dann die Bilanzsumme betragen – man finde sich in Baden-Württemberg dann unter den 25 größten Volksbanken und bundesweit unter den 100 Großen wieder: „Wir sind dann“, versichert Dehler, „ein nennenswerter Player in Südbaden und darüber hinaus!“

Ziel der Verschmelzung soll „Omnikanalbanking“ sein, eine Mischung aus Spezialisierung, Kundennähe, gesteigerter Beratungsangebote und ausgeweitetem Digitalangebot. „Wir beobachten zwar“, so Lange, „eine stetige Ausweitung der Nachfrage nach unseren digitalen Angeboten – aber das allein macht uns nicht aus: wir müssen dem Kunden eine intensive, fachlich kompetente, auf ihn persönlich zugeschnittene Beratung ebenso anbieten können!“ Dieses Ziel sei, das auch entsprechende Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter voraussetzt, so machten die Vorstände klar, nur im Rahmen einer größeren Einheit realisierbar.

Zentrale für „Produktion und Steuerung“ wird der Neubau im Gewerbepark Breisgau sein. Dorthin werden einige Mitarbeiter aus Müllheim umziehen müssen. Um alle unterzubringen, hat sich die Volksbank knapp 1.000m² in einem ihr gehörenden Neubau unmittelbar neben dem Verwaltungssitz gesichert; die restlichen rund 1.100m² Nutzfläche sind an „zwei Ankermieter aus den Bereichen Chemie-Vertrieb und Wirtschaftsprüfung vermietet“. Vier Vorstände – die Mitglieder der bisherigen Leitungsgremien – werden die neue Bank führen. 13 Mitarbeiter betreuen als Bereichsleiter die Themengebiete, die unmittelbar unter der Vorstandsebene angesiedelt sind. Die Ebene der Gruppenleiter hingegen wird eingespart. Durch diese „flache Hierarchie“ (Lange) erhofft man sich schnelle Entscheidungsflüsse.

Man hat an alles gedacht, sogar an Abkürzungen für’s Internet, man hat eruiert, dass es kaum Überschneidungen bei den Kontonummern gibt, so dass Müllheimer Kunden nur eine neue IBAN brauchen – aber ihre alten Daten auch noch für eine Übergangszeit von zwei Jahren weiternutzen können. Alles ist fertig – jetzt fehlt nur noch das Votum der Mitglieder: 75 Prozent müssen in den Vertreterversammlungen für die Verschmelzung stimmen – sonst waren alle Mühen vergebens. „Und dann haben wir noch 150 jähriges Jubiläum“, sagt Jörg Dehler und man merkt, dass er sich erst nach einem erfolgreichen Mitgliederentscheid auf diese Festivität freuen kann.

 

Volksbank Müllheim:
Bilanzsumme: 2017: 693 Mio. Euro – 2016: 674 Mio. Euro (+2,8%) Gesamteinlagen: 2017: 531 Mio. Euro – 2016: 531 Mio. Euro (+3,5%) Gesamtkundenkredite: 2017: 456 Mio. Euro – 2016: 441 Mio. Euro (+3,4%) Betr. Kundenvolumen: 2017: 1.232 Mio. Euro – 2016: 1.192 Mio. Euro (+3,3%) Zinsüberschuss: 2017: 13 Mio. Euro – 2016: 13,4 Mio. Euro (-2,9%) Provisionsüberschuss: 2017: 4,6 Mio. Euro – 2016: 4,4 Mio. Euro (+4,8%) Mitglieder: 2017: 15.654 2016: 15,526 (+0,8%) Jahresüberschuss 2017: 2,67 Mio. Euro; Steueraufwand: 2,62 Mio. Euro
Volksbank Breisgau Süd:
Bilanzsumme: 2017: 1.104 Mio. Euro – 2016: 1.072 Mio. Euro (+2,8%): 2017: 790 Mio. Euro – 2016: 762 Mio. Euro (+3,7%) Gesamtkundenkredite: 2017: 667 Mio. Euro – 2016: 628 Mio. Euro (+6,2%) Betr. Kundenvolumen: 2017: 1.935 Mio. Euro – 2016: 1.859 Mio. Euro (+4,1%) Zinsüberschuss: 2017: 21,1 Mio. Euro – 2016: 20,8 Mio. Euro (+1,4%) Provisionsüberschuss: 2017: 7,5 Mio. Euro – 2016: 7,47 Mio. Euro (+0,4%) Mitglieder: 2017: 23.493 2016: 23.528 (-0,2%) Jahresüberschuss 2017: 2,90 Mio. Euro; Steueraufwand: 2,74 Mio. Euro

 

 

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