Markgräfler Bürgerblatt

Ein Jahr im Garten

Fotos: privat

Seit dem Frühjahr 2014 kümmert sich Karolin Riepenhausen, von Haus aus Landschaftspflegerin mit viel Liebe und Engagement um die pädagogischen Angebote im Garten Kunterbunt. Insbesondere hat sie das gärtnerische Jahr für die Kinder aus den Neuenburger Krippen und Kindergärten konzipiert. Ab dem neuen Schuljahr wird Sie auch eine Gruppe Grundschüler der offenen Ganztagesschule durch das Gartenjahr führen.
Hier schreibt Karolin über das Gartenjahr 2014-2015.
Das Jahr beginnt im September…, zumindest für die Kinder der Kindergärten und Krippen, die seit September 2014 den Pädagogischen Garten oder Garten Kunterbunt regelmäßig besuchen.
Zu Beginn der Visite, durften die Kinder über ihre eigenen gärtnerischen Erfahrungen berichten, und mir war schnell klar: hier habe ich es mit hochmotivierten Experten zu tun! Gemeinsam erkundeten wir das Gelände, und spielerisch wurden Gartenpflanzen in Obst und Gemüse unterteilt. Während des goldenen Herbstes konnten Blattformen und die Palette der Herbstfarben gesammelt werden. Die Krähen überließen uns sogar wenige Trauben zur eigenen Verkostung. Im November durften die jungen Besucher den Aufbau von Zwiebelpflanzen untersuchen und selbst Tulpen und Narzissen fürs Frühjahr pflanzen.
Im Monat Dezember waren die Kindergartenkinder als Spurensucher auf der Pirsch. Denn auch im Winter lebt der Garten! Dort an dem Zapfen hat das Eichhörnchen geknabbert; und wer hat am Fallobst gepickt? Das war sicher eine Amsel! Im Januar war es schließlich kalt genug für winterliche Experimente. Dick eingemummelt und

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Tee schlürfend, stellten die Kinder zunächst die Frage: Wie überstehen die Tiere und Pflanzen den eisigen Winter? Ja, manche haben Frostschutz in den Adern, andere atmen nur noch zweimal pro Minute. Da hat jedes Lebewesen seine eigene Strategie! Schließlich wurde eine Eiswürfelflotte zu Wasser gelassen. Eis ist aus Wasser, aber schwimmt… Und mit einem Glas, Eis und Salz lässt sich Reif selbst herstellen! Im Februar, dem Monat der Narren, haben sich die kleinen Forscher ebenfalls mit `Verkleidung´ beschäftigt: Warum haben manche Insekten Warnfarben und andere Tarnfarben? Für die Tarnspiele im Garten brauchte man auf jeden Fall ein gutes Auge!

Im März war es für alle wahrnehmbar: der Frühling liegt in der Luft! Fest entschlossen, für die nahende Gartensaison gewappnet zu sein, stopften kleine Hände Tontöpfe voll Stroh. Unter dem Motto: Helfer sind eingeladen – Schädlinge werden ausgeladen, entstanden zahlreiche Behausungen für die Ohrenkneifer, die als Blattlausfresser helfend im Garten tätig sind. Regelmäßige Kontrollen erwiesen, dass der Unterschlupf auch von Spinnen gerne angenommen wurde. Mit Begeisterung wurde das Erwachen der Insektenwelt beobachtet: am Insektenhotel summten die Wildbienen, und im Wasserbecken des Gartens flitzten Libellenlarven und Wasserkäfer. Und siehe da, nach der Aussaat der ersten Radieschen im April, waren auch die im November gepflanzten Frühlingszwiebeln zum Leben erwacht. Tatsächlich erkannte jedes Kind seine `eigene´ Narzisse wieder. Fokus im April, lag auf der Tätigkeit, der eifrig nestbauenden und brütenden Vögel. Die Kinder hatten die Aufgabe gemeinsam ein Nest zu bauen, aus dem keine (Hühner-)Eier kullern konnten und anschließend mit Pinzetten Futter zu beschaffen. Völlig erschöpft bemerkten die Kinder: die Vögel haben jetzt echt viel zu tun! Im Mai gab es Radieschen und Rettiche zu ernten. Karotten, Rote Beete, Gurken, Sonnenblumen, Kürbis, Bohnen und Mais wurde gesät. Kartoffeln, Kohlrabi, Mangold, Zucchini und Paprika gepflanzt. Unter dem Motto Nachhaltigkeit kamen als Tomatensetzlinge samenfeste, alte Sorten aus Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien und Spanien dazu. Diese bekamen an den Pflanzstab ihre eigene Nationalflagge.

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Mit Beginn der Sommermonate gab es nach dem Gießen und Jäten auch Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren zu naschen. Nur für die Heidelbeeren schien die Sonne in diesem Jahr zu oft. Und dies machte den kleinen Gärtnern klar, auch Pflanzen haben individuelle Bedürfnisse, die bei Standort und Pflege berücksichtigt werden müssen. Von Besuch zu Besuch erkannten die Kinder die einzelnen Obst- und Gemüsesorten immer besser. Das Gartenterrain, die notwendigen Pflegemaßnahmen, das Reinigen und Wegräumen der Gartenutensilien, der Erzählkreis alles war vertraut geworden. Inzwischen verband uns alle eine regelrechte Gartenleidenschaft! Irgendwann fragten einige Kinder mit Blick in das Gerätehaus: Und wo ist dein Bett? Das fand ich sympathisch, denn ihnen war klar geworden, dass es im Garten immer etwas zu entdecken gibt. Warum sollte ich dort nicht immer sein? Schließlich könnte ich etwas verpassen!

Mit Blick auf das Jahr im Garten zusammen mit den Kindern, wird mir klar, dass dort nicht nur die Pflanzen gewachsen sind, sondern auch die Wahrnehmung der Kinder für die besonderen Dinge, die manchmal fast verborgen in der Natur geschehen.
Ich freue mich schon jetzt auf September, denn dann beginnt wieder ein neues Jahr im Garten!

(Karolin Riepenhausen- Dipl.-Ing. Landespflege)

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