Breisach Aktuell

Drei Fragen an… Ralf Schneider, Motorenspezialist

 

 

Ralf Schneider (58) betreibt in Schliengen seine kleine aber feine, blitzsaubere „RS Motorsport-Service-Werkstatt“ für Straßenmotorräder, Supermoto, Superbikes und Motocross und ebenso für Bootsmotoren. Sein Herzenswunsch: ein junges Moto-Cross-Team aus Jungen und Mädchen hier in der Region auf die Beine zu stellen.

 

Sie sind heute ein gefragter Spezialist auf dem Gebiet Motor-Tuning, restaurieren alte „Schrottmotoren“, verbessern die Leistung handelsüblicher, bauen neue Motoren nach eigenen Plänen auf. Wie kam es dazu, dass aus einem jugendlichen „Schrauber“ ein erfolgreicher Rennmotoren-Spezialist wurde?

Ich bin im Alter von zwölf Jahren fast täglich mit Motoren in Kontakt gekommen. Dabei war es mir egal, ob es Benzin- oder Diesel-Motoren waren, Hauptsache erst einmal auseinandernehmen und schauen, was drin ist. Meinen beiden zwei und sechs Jahre älteren Freunden habe ich dabei zunächst über die Schultern geschaut um dann selbst Hand anzulegen. Dabei habe ich sehr schnell herausgefunden, wie ein Motor funktioniert. Klar gab es am Anfang viele Fehlschläge, viel Schrott, aber das war egal, die Motoren wurden erneut zerlegt und repariert.

Mit 19 Jahren beendete ich meine Lehre als Mechaniker, zu der Zeit arbeitete ich bereits für verschiedene Fahrer im Motorrad-Rennsport-Zirkus. Nach einigen Jahren bei Yamaha- und Honda-Händlern beschloss ich 1999 mich mit der Gründung der Firma „RS Motorsport“ selbständig zu machen. Von da an betreute ich per jeweiligem Vertrag Teams, die um die Motorrad-Weltmeisterschaft fuhren.

 

Faszination Motorradrennen – was bedeutet das für Sie? Sie begleiteten als Mechaniker Motorrad-Rennen weltweit. Für welche Rennställe haben Sie gearbeitet, welche Piloten haben Sie betreut?

Für einen Techniker und Mechaniker sind Motorradrennen etwas ganz besonderes. Zu sehen, wie die Maschine, für die man verantwortlich ist, mit um den Sieg fährt, das ist etwas sehr spezielles. Wer einmal dieses „Strecken-Adrenalin“ in sich spürte, kommt davon nicht mehr los,

Als Techniker und Mechaniker arbeitete ich weltweit, in Süd- und Nordamerika, in Asien, Australien und Südafrika, selbstverständlich auch in ganz Europa, für Motorrad-Rennställe und deren Piloten, die an Weltmeisterschaftsläufen teilnahmen. So für den siebenfachen Weltmeister Rolf Biland aus der Schweiz, ebenso für den dreifachen Weltmeister Luca Cadalora (Italien), für Antony Gobert und Antony West, beide aus Australien, wie auch für Masao Azuma und Hiro Aoyama aus Japan und den spanischen Weltmeister Julian Simon. Als Marc Marquez, der heutige fünffache Weltmeister, mit 14 Jahren in die WM einstieg, war ich ein Jahr für dessen Motoren verantwortlich. Ebenso für die Motoren von Stefan Bradl, Deutschland.

Ich entwickelte die Rennmotoren in Kooperation mit verschiedenen Ingenieuren weiter, machte sie standhafter und schneller. Mit Mika Kallio aus Finnland arbeitete ich vier Jahre zusammen, wir wurden zweimal Vizeweltmeister auf KTM. Mit ihm wie all den anderen Fahrern bin ich noch immer sehr eng freundschaftlich verbunden.

Auf allen Rennstrecken der Welt ging und geht es um Punkte für die Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Ich wurde mit meinen Teams zweimal Konstrukteurs-Vizeweltmeister.

 

Sie engagieren sich beim Motorsportclub „MSC Rebland Hertingen“. Wie sehen Sie den Motorrad-Rennsport, den Offroad-Sport, den Motorsport allgemein im Südwesten, in Südbaden?

Weil ich viele Jahre weltweit in Sache Motorsport unterwegs war, pflege ich Motorsport-Kontakte, sie sind für mich wichtig. Mit dem „MSC Rebland“ in Hertingen möchte ich den Motorsport hier bei uns im Südwesten wieder populärer machen. So bin ich immer daran interessiert, neue Kontakte zu und mit Fahrern zu knüpfen, mit Firmen, die Interesse daran haben, die Jungs als Sponsoren zu unterstützen.

Und was mir sehr am Herzen liegt: ein ganz junges Team eventuell im Moto-Cross auf die Beine zu stellen. Und wenn ich von einem jungen Team rede, dann meine ich Jungs und Mädchen ab fünf Jahren, denn mit Moto-Cross kann tatsächlich schon sehr früh im Alter von fünf Jahren begonnen werden. Ich habe vor über 20 Jahren meine beiden Söhne beim Moto-Cross international begleitet, das war für die Jungs und mich eine sehr schöne Zeit!

Meine Devise lautet: weg von Drogen, Zigaretten oder ähnlichem, hin zum Motorsport, der so interessant und spannend sein kann. Und er bildet, festigt auch den Charakter der Beteiligten.

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