Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an…. Mirco Lambracht, 1. Vorsitzender der Festspiele Breisach e.V.

Mirco Lambracht (40), verpartnert, Vater von 2 Kindern, ist seit 2013 bei den Festspielen Breisach engagiert dabei. Nach ersten Erfahrungen in der Schauspielerei mit anfänglich kleineren Rollen, übernahm der gelernte Immobilienfachwirt seit der Saison 2016 auch den ersten Vorstand des Amateurtheaters und ist seitdem nun vielseitig auf und hinter der Bühne aktiv.

 

Die Zuschauer sehen nur die Aufführung, Schauspieler, Kostüme, Bühnenbild. Aber die Festspiele sind ja unendlich viel mehr: was macht ihnen als Profi die meiste Arbeit im Vorfeld, bis der erste Vorhang fällt? Gibt es Punkte, wo Sie als Chef eines aus begeisterten Laien zusammengesetzten Teams manchmal denken, dass die Festspiele ein Ausmaß erreicht haben, das pure Begeisterung kaum noch zu stemmen in der Lage ist?

Bei uns fallen im Vorfeld der Aufführungen viele völlig verschiedene Aufgaben an, die zum Gelingen eines perfekten Theatererlebnisses enorm wichtig sind. Als Vorstand kann ich dies nicht alleine stemmen, hier habe ich ein tolles Team hinter mir, in dem jeder eigenverantwortlich in seinem zuständigen Ressort aktiv ist, ich kann mich voll und ganz drauf verlassen, dass nicht nur der Kostümfundus und der Bühnenbau reibungslos funktionieren, sondern auch die Organisation des Vorverkaufs, die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit oder das Sponsoring. Ich selbst habe im Vorfeld vor allem mit Vertragsverhandlungen für unsere Honorarkräfte zu tun, wie Regisseure, Musiker, Maske und kümmere mich um rechtliche Dinge. Sicher sind die Festspieler, die auf und hinter der Bühne aktiv sind, mit großer Begeisterung dabei. Doch je näher wir den Premieren kommen, desto intensiver geht es über „pure Begeisterung“ hinaus, alle Beteiligten bringen volles Engagement und investieren sehr viel Zeit, Leidenschaft und Kreativität. Es besteht ein großes Verantwortungsbewusstsein für das Gesamt-Erlebnis Festspiele, was bei einem Verein dieser Größe ungewöhnlich ist.

 

Die Festspiele brauchen einen bestimmten Etat, um die Erwartungen der Zuschauer zu erfüllen: Wie kommt ein Theaterprojekt an Sponsoren? Ist es schwer, Unterstützer zu finden? Wollen die manchmal bei der Auswahl der Stücke oder bei der Besetzung mitreden?

Bei den Festspielen Breisach haben wir mit Yvonne Dewaldt und Klaus Stadelbacher zwei langjährige Profis, die sich mit großen persönlichem Engagement und Kontakt intensiv um unsere Sponsoren und Gönner kümmern. Wir versuchen jedes Jahr, unsere für den Verein so wichtigen Unterstützer mit neuen Ideen und Anreizen für eine weitere Unterstützung der Kulturarbeit im Ländlichen Raum zu halten und zu begeistern. Bei der Stückauswahl haben die Sponsoren allerdings kein Mitspracherecht, die Auswahl der Stücke bestimmt ausschließlich der Vorstand.

 

Jedes Jahr ein neues Programm, das ist nicht nur harte Arbeit für die Crew, das bedeutet auch, dass Sie das richtige Programm erarbeiten müssen: wer entscheidet, was gespielt wird? Welche Kriterien liegen zugrunde? Haben Sie Zahlen anderer Festspielbühnen, durch die Sie abschätzen können, wie gut ein Stück beim Publikum ankommt? Gibt es Stücke, die Sie gerne aufführen wollten, aber sich bisher noch nicht dazu durchringen konnten? Welche?

Während der laufenden Saison werden Vorschläge für mögliche Stücke gesammelt. Eine Auswahl davon wird dann vom Gesamtvorstand diskutiert und hinsichtlich der Durchführbarkeit auf unserer Bühne geprüft, es eignen sich ja nicht alle Theaterstücke für eine Freilichtbühne. Weitere wichtige Kriterien für die Auswahl sind vor allem die Bereitschaft des gewählten Regisseurs, die Anzahl der potentiellen Mitspieler, dann wird geprüft, wie die Verwirklichung eines passenden Bühnenbildes, Maske, Kostüm und Musik zusammenspielen können und wie hoch die Tantiemen für das Stück sind, bevor eine demokratische Entscheidung vom Gesamtvorstand getroffen wird. Da wir zu den größten Freilichtbühnen Baden-Württembergs gehören, was Zuschauerzahlen und Anzahl der Aufführungen betrifft, sind wir in engem Kontakt mit anderen Bühnen, von denen wir sicher die eine oder andere Anregung für Stücke erhalten, die wir gerne spielen möchten. Beliebt sind vor allem musikalische Stücke, die allerdings ein sehr hohes Maß an musikalischem Können voraussetzen, das man aber auf einer Amateurbühne, deren Mitglieder allesamt ehrenamtlich neben ihrem normalen Beruf aktiv sind, nicht immer in dem hohen Maße voraussetzen kann, wie es für eine solche Aufführung nötig wäre.

 

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