Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an… Marc Oßwald, Konzertveranstalter

Marc Oßwald, Konzertveranstalter

 

Eigentlich ist der studierte Betriebswirt nur aufgrund der Tatsache, dass er Waldhorn spielt und dieses Instrument „ja nun wirklich in keine Band so richtig reinpasst“, Konzert-Manager geworden. Sein erstes Büro war ein an die Decke geschraubter, räderloser Wohnwagen mit einem Micky-Maus-Telefon. Damit machte Oßwald Konzerte klar, organisierte Touren und bot auch schon mal der einen oder anderen Formation Unterschlupf in seiner WG. Heute ist der verheiratete Vater dreier Kinder einer der Großen im Musikgeschäft, ohne den es das ZMF nicht mehr gäbe.

34 Jahre ZMF – was hat sich in dieser langen Zeit verändert? Sind Festivals, sind die Besucher von Festivals heute anders als 1983? Na, 1983 war ich noch zu jung, das kann ich nicht recht beurteilen. Aber klar ist, dass sich das ZMF professionalisiert hat, dass die Künstler inzwischen deutlich mehr Geld wollen und sich daraus auch die höheren Eintrittspreise ergeben mussten. Als man damals anfing, stand alles unter einer sozio-kulturellen Überschrift, da gab es Peace-Festivals, Folk-Konzerte etc. Das ist vorbei, das geht nicht mehr, diese liebenswerte Naivität, mit der man damals so etwas veranstaltete, da erleiden Sie heute Schiffbruch. Überlebt haben nur die, die sich wie das ZMF konsequent professionalisiert haben.

Sicher geändert hat sich die Sicherheitslage. Bereitet Ihnen die Sicherheitsfrage wirtschaftliche Probleme, will sagen: steigen die Ticketpreise? Ja, die Sicherheitsanforderungen schlagen sich ganz klar auch in den Ticketpreisen nieder, auch wenn man sie nicht 1:1 draufrechnen kann oder (lacht) einen „Sicherheits-Soli“ einführen. Sie können ja nicht beliebig die Preise erhöhen – die Menschen fragen sich schon: lohnt sich die oder die Band zu diesem Preis für mich. Gut, wenn Sie absolute internationale Spitzenstars haben, die relativ selten in Deutschland spielen, da gehen die Leute hin, auch wenn die Ticketpreise erhöht werden mussten. Aber im normalen Rahmen müssen wir schon mit spitzem Stift kalkulieren und da machen Sicherheitsanforderungen uns das Arbeiten nicht leichter.

Im Sommer ist in Südbaden Festivalzeit – kaum ein Ort, wo nicht Konzerte, Cover-Nights, Theaterstücke, Weinfeste etc. Open Air aufgeführt werden. Kannibalisiert sich da die Branche nicht? Der Freizeitmarkt – und ich rechne Festivals, Theateraufführungen oder Fußballspiele zur Freizeit – ist nicht statisch, er steht und fällt mit den angebotenen Projekten. Wenn Sie den Geschmack des Publikums treffen, dann ist es egal, wie viele andere Angebote es daneben noch gibt. Es ist ja nicht so, dass die Menschen ihr Freizeitbudget einteilen und sagen, ich möchte jetzt dafür so-und-soviel Events sehen. Das (gute) Angebot schafft sich seine Nachfrage, es kommt also auf die Attraktivität an. Und: auch wenn alle Veranstalter sagen würden, es gäbe ein zu großes Angebot, dann ginge jeder davon aus, dass sein Angebot dasjenige ist, das zieht. Folglich wird die Zahl der Festivals, Events etc. wohl nicht sinken. Ich glaube sogar, dass der „Freizeitkonkurrenzkampf“ noch zunehmen wird, die Nachfrage nach Abwechslung, Ablenkung steigen.

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …