Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an… Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbandes e.V., Freiburg

 

Kilian Schneider, Jahrgang 1958, ist Staatlich geprüfter Wirtschafter für Weinbau und legte 1980 Meisterprüfung auf Schloß Ortenberg ab. Der verheiratet Vater von zwei Töchtern engagierte sich schon früh intensiv ehrenamtlich, so als Ortsvorsteher in Vogtsburg-Schelingen, als Aufsichtsrat der Winzergenossenschaft Oberbergenoder als Bereichsvorsitzender des Kaiserstuhls im Badischen Weinbauverband. Seit Mai 2010 ist Kilian Schneider Präsident des Badischen Weinbauverbandes e.V., Freiburg.

Welche Weinbaugebiete in Südbaden wurden durch die Nachtfröste besonders betroffen? Wie groß sind die zu erwartenden Schäden? Heißt das, die Lese muss 2017 ausfallen?
Die Nachtfröste haben in allen badischen Bereichen Schäden unterschiedlicher Stärke verursacht. Besonders betroffen sind die Bereiche Kraichgau und Tauberfranken, aber auch das Markgräflerland mit der Rebsorte Gutedel. Insgesamt betrachtet sind rund ein Viertel der badischen Rebfläche zu mehr als 75 Prozent geschädigt, der Rest, also immerhin Dreiviertel, weist Teilschäden unterschiedlicher Stärke auf. Die Ernte wird, ein normales Jahr vorausgesetzt, nicht ausfallen.

Welche finanziellen Einbußen bringt der Frost mit sich? Sind damit Winzer in ihrer Existenz bedroht? Wenn Minister Hauk finanzielle Unterstützung anbietet: Mit welchen Summen muss realistisch gerechnet werden, um zu helfen?
Das lässt sich derzeit nicht beziffern. Wir wissen nicht, wie fruchtbar der 2. Austrieb wird und wie das Jahr insgesamt wird. Auch die Teilschäden lassen sich derzeit schwer beziffern. Vieles hängt von der kommenden Witterung ab.
Betriebe, die 2011 starke Schäden hatten, letztes Jahr vom Hagel oder Frost und dieses Jahr wieder vom Frost betroffen sind: da geht es schon um die Existenz.

Bedeutet der Frost, dass Badischer Wein des Jahrgangs 2017 zur Rarität wird? Mit welchen Mengen kann man denn rechnen? Wie wird, soweit man das jetzt schon sagen, kann die Qualität? Könnte gute Qualität und geringe Menge eventuell die Schäden finanziell mildern?
Der Frost war ungewöhnlich früh. Bekommen wir jetzt ein Jahr ohne weiteren Frost, mit guter Niederschlagsverteilung, gutem Erntewetter, dann wird der 2017er nicht zur Rarität.
Die Ernte wird von Rebberg zu Rebberg, von Gemarkung zu Gemarkung unterschiedlich sein. Es könnte einen „neidischen Herbst“ geben. Die Gläser unserer Weinfreunde werden nicht trocken bleiben, wenn die Witterung der kommenden Wochen mitspielt – also „Prinzip Hoffnung“. Die Winzerfamilien werden auch die geschädigten Reben sogar besonders intensiv pflegen und schauen, dass jede Traube sich gut entwickelt.
Über die Qualität mache ich mir keine Sorgen, da das Frostereignis sehr früh eingetreten ist und auch der 2. Austrieb genügend Zeit zur Reife haben wird.

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