Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an…

Stefan-Xp - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Peter Kalchthaler, Kunsthistoriker und „Magister Berthold Schwarz“

Peter Kalchthaler, geboren 1956 in Freiburg, ist Kunsthistoriker und Volkskundler. Er arbeitet bei den Städtischen Museen Freiburg. Von Kindesbeinen an ist er in der Zunft der Fasnetrufer an Fastnacht aktiv. Zwischen 1973 und 2002 stand er als einer der beiden “Hackepeter” auf der närrischen Bühne und kommentiert seit 1984 bis heute als “Magister Bertold Schwarz” die Stadtpolitik aus der Bütt. Als Schüler von “Fasnetspapst” Werner Mezger beschäftigt sich Peter Kalchthaler auch wissenschaftlich mit der Fastnacht.

 

Schmutz’ge Dunschtig“, „Schmotz’ge Donschti“, „de Schmutzge“ – was ist am Donnerstag vor Fasnet so „schmutzig“ Woher kommt der Ausdruck, welche Bräuche verbinden sich mit ihm?

“Schmutz / Schmotz”, ist das alemannische Wort für “Schmalz”. Der in vielen südwestdeutschen Narrenorten traditionelle Beginn der Fasnet mit Narrenbaumstellen und Rathaussturm ist also der “Schmalzige Donnerstag”, denn im Schmalz werden die Fasnetsküchle gebacken. Mit den dafür benötigten Eiern zählt Fett zu den Speisen, die in der Fastenzeit streng verboten sind. In Frankreich und Italien heißt der Fastnachtstag “Mardi gras” bzw. “Martedi grasso”, also der “fette Dienstag”

 

An sich kennt ja die hiesige Fasnet weniger die Büttenrede. Dennoch gibt es viele Fasnetshochburgen in Baden, in denen Narren von einer Kneipe zur nächsten ziehen und dort ein oft hochprofessionelles „Büttenprogramm“ vorstellen: woher kommt dieser Brauch? Wer pflegt ihn wo? Wer hat ihn wann initiiert?

Schon in der frühen Neuzeit ist überliefert, dass die Fastnachter durch die Häuser zogen, um Küchlein zu heischen (erbetteln) oder um ihre Sprüchle aufzusagen. Weniger beliebte Zeitgenossen wurden mit “Katzenmusiken” und Spottversen bedacht. In Villingen ziehen die Narro bis heute zum “Strählen” durch die Lokale, in Basel gibt es die “Schnitzelbängg”. Schon im frühen 19. Jahrhundert sind in Freiburg fastnächtliche Veranstaltungen in Vereinslokalen und Wirtschaften abgehalten worden, auf denen närrische Sketche, Zwiegespräche, Gesänge und Reden dargeboten wurden. Diese alte Tradition haben die Fasnetrufer vor einigen Jahren mit ihrem “Lokalschnurren” wiederbelebt.

 

Man kann beobachten, dass gerade im Bereich der alemannischen Fasnet es einzelne Städte gibt, in denen auch Bräuche, die man eher aus dem rheinischen Carneval kennt, gepflegt werden: Büttenrede, Elferrat, Tanzmariechen („Tanzmaidle“): woher kommt dieser “Import“? Seit wann gibt es ihn? Gibt es dafür Hochburgen?

Fastnacht, Fasnet, Fasching und Karneval haben die gleichen Wurzeln im katholischen Jahresbrauch und die gegenseitigen Einflüsse waren groß. Bis nach dem ersten Weltkrieg war die hiesige Fastnacht stark mit Elementen durchsetzt, die man heute den Karnevalshochburgen am Rhein zuschreibt. Vor allem in den Städten – auch in heutigen alemannischen Hochburgen wie Villingen oder Rottweil – trat Prinz Carneval auf. In Freiburg gab es schon 1888 den Carnevalsverein mit einem Elferrat als Festkomitee. In Konstanz kann man eine früher für die meisten Städte übliche, von bürgerlichen Narrengesellschaften organisierte Bühnenfastnacht noch heute erleben.

Das weitgehende Fastnachtsverbot nach dem Ersten Weltkrieg führte vielerorts zur Rückbesinnung auf alte oder vermeintlich alte Bräuche und zur Abschaffung von angeblichen fremden Einflüssen. Damals propagierte die Volkskunde einen Gegensatz zwischen dem verweichlicht-städtischen Karneval und der kraftvollen, der alemannischen Volksseele entsprungenen Fastnacht mit heidnisch-germanischen Wurzeln. Erst 1933 vollzog sich in Freiburg der Wechsel vom Karneval zur “Volksfas(t)nacht”. Eingedenk der Fastnachtsverbote erhofften sich die Narrenoberen mit der Neuausrichtung mehr Rückhalt bei den NS-Behörden.

 

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