Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an…

 

Werner Räpple, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands e.V.

Werner Räpple

Der „Badische Landwirtschaftliche Hauptverband e.V.“ ist die berufsständische Interessenvertretung der Land- und Forstwirte, Winzer und Obstbauern in Südbaden. Als Präsident steuert Werner Räpple seit 2003 den politischen Kurs des Verbandes. In dieser Funktion vertritt er die südbadischen Interessen auch im Verbandsrat des Deutschen Bauernverbandes. Der Winzermeister bewirtschaftet in Vogtsburg-Oberrotweil mit seiner Familie einen Wein- und Obstbaubetrieb.

Die „Erntezeit“ hat begonnen, kann man nach den Frosteinbrüchen einerseits, den Regentagen andererseits und den teilweise extrem heißen Wochen schon sagen, wie die Ernte 2017 ausfallen wird? Gibt es aus Ihrer Sicht „Sorgenkinder“, wo es nicht so gut aussieht wie man es eigentlich gerne hätte?

Die langen Hitzeperioden haben zur Folge, dass wir eine unterdurchschnittliche Ernte einfahren werden. Regional gab es auch sogar schwerere Trockenschäden im Getreide und insbesondere die Heuwirtschaft leidet unter Wassermangel. Vielerorts konnte nur die Hälfte der üblichen Heuernte eingefahren werden. Der Frost Ende April richtete massive Schäden im Obst- und Weinbau an. Einige günstige Lagen blieben verschont, auch konnten manche Obstbauern ihre Anlagen mit spezieller Frostschutzberegnung schützen, die Erntebilanz im Sonderkulturbereich wird in den Betrieben sehr unterschiedlich ausfallen.

 

Südbaden ist schon immer eine warme Region gewesen, viel Sonnenschein zeichnet das Rheintal aus. Bemerken Sie, dass sich aufgrund der Klimaverschiebungen Probleme ergeben: zu große Hitze, Unwetter, Stürme, Hagel und ähnliches? Wie kann die Landwirtschaft darauf reagieren – neue, andere Produkte, wetterfestere Pflanzen?

Besonders schwierig sind die zunehmenden Wetterextreme, wie zum Beispiel der Spätfrost. Mit der Frostschutzberegnung konnte viel gerettet werden, dabei schützt eine künstliche Eisschicht die Blüte vor dem Erfrieren. Solche Verfahren sollten gefördert werden. Wir benötigen aber auch betriebswirtschaftliche Instrumente um mit den Folgen der Wetterextremen umgehen zu können, zum Beispiel werden für Kern- und Steinobst gar keine Frostschutzversicherungen angeboten. Gemeinsam mit der Politik müssen wir Versicherungssysteme entwickeln, die in der Fläche angekommen. Ein weiteres Instrument wäre die steuerbefreite Risikorücklage, damit könnten in guten Jahren Rücklagen gebildet werden, die man bei Missernten wieder auflöst.

 

Im September ist Bundestagswahl: welche Wünsche hat der BLHV, haben die hiesigen Landwirte an die neue Regierung? Wo drückt denn besonders der Schuh?

Wir erwarten, dass die neue Regierung eine wissenschaftlich fundierte Agrar- und Umweltpolitik gestaltet. So etwas wie die „Neuen Bauernregeln“ der Umweltministerin Hendricks darf es nicht noch einmal geben. Die agrarpolitisch wichtigste Aufgabe der neuen Bundesregierung wird die Gestaltung der europäischen Agrarpolitik nach 2020 sein. Hier fordern wir, dass die Flächenprämien fortgeführt werden, aber auch hinsichtlich einer Besserstellung kleiner und mittelgroßer Betriebsstrukturen weiter ausgestaltet werden.

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