Markgräfler Bürgerblatt

Doppeljubiläum auf dem Blankenhornsberg

Landwirtschaftsminister Hauk als Gratulant beim Jubiläum auf dem Blankenhornsberg. Links im Bild Rolf Steiner, Direktor des Weinbauinstituts und Peter Wohlfarth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes (Dritter von links). Foto: Homann

Minister und Experten würdigen staatliche praxisbezogene Forschung im Weinbau

Ihringen. Ein Doppeljubiläum lockte Repräsentanten der badischen Weinwirtschaft ins Staatsweingut Freiburg auf dem Blankenhornsberg oberhalb von Ihringen. Dieses Weingut feierte seine Gründung vor 175 Jahren. Es gehört dem Staatlichen Weinbauinstitut des Landes Baden-Württemberg und das konnte noch ein Jubiläum beisteuern: 100 Jahre Rebenzüchtung im eigenen Haus. Institutschef Rolf Steiner stellte das alles unter den Oberbegriff „gelebte Wissenschaft“.

Im Institut wird gezüchtet und geforscht, vor allem, was Widerstandsfähigkeit von Reben angeht, im Staatsweingut werden wissenschaftliche Erkenntnisse des Instituts in der Praxis des Weinbaus erprobt. Das alles, so Landwirtschaftsminister Peter Hauk, zum Nutzen der Winzer und Kellermeister, denen wichtige Ergebnisse aus „gelebter Wissenschaft“ zur Verfügung gestellt werden.

175 Jahre Blankenhornsberg – das Jubiläum ist Anlass, ins Jahr 1842 zurückzublicken. Da lieferten die Brüder Nikolaus, Adolph Friedrich und Jakob Wilhelm Blankenhorn aus Müllheim in der Markgrafschaft im Kaiserstuhl in brachliegendem Gelände über Ihringen mit Hilfe von 200 Arbeitern eine wahre Pionierleistung ab: Auf Grund von Erfahrungen eines Winzers, der am Vesuv Wein angebaut hatte, wurde das verwilderte und ungenutzte Hanggrundstück für den Weinbau hergerichtet. Bis zu vier Meter tief wurde bei dem vulkanischen Grund Boden abgetragen und es entstanden mit Hilfe von Sprengungen und mühsamer Handarbeit bis heute genutzte Weinterrassierungen. Es war der Beginn des Weinbaus am Kaiserstuhl auf vulkanischem Gestein.

Das heutige Staatsweingut auf dem Blankenhornsberg erwarb die Badische Landwirtschaftskammer 1919 aus dem Besitz der Markgräflerfamilie. Die Blankenhorns waren vermögend und hoch angesehen, engagierten sich nicht nur im Müllheimer Weingut und auf dem Blankenhornsberg, sie waren als Liberale politisch aktiv, als Arbeitgeber sozial eingestellt und als Stifter dem Allgemeinwohl verpflichtet. All das schilderte beim Jubiläumsfestakt Jan Merk, Dezernent der Stadt Müllheim und Kenner der schillernden blankenhornschen Familiengeschichte.

Professor Adolph Blankenhorn (1843 – 1906), Freund des badischen Revolutionärs Friedrich Hecker, nutzte das Weingut in nächster Generation als Versuchsstation für seine weinbaulichen und önologischen Untersuchungen. Der visionäre Gelehrte wurde zu einem Mitbegründer der deutschen Weinbauwissenschaften. Er hatte entscheidenden Anteil bei der Entwicklung der Pfropfrebe, mit der die Bekämpfung der Reblaus gelang, die den badischen Weinbau um die Hälfte dezimiert hatte.

Die vor 100 Jahren am Jesuitenschloss in Freiburg begründete Rebenzüchtung hat sich ständig weiterentwickelt und ist heute in der Lage, den Winzern eine große Bandbreite von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten und Rebklonen zur Verfügung zu stellen. Angesichts des Klimawandels, der im Weinbau neue Belastungen und Schädlinge hervorbringt, „ist das immer bedeutender“. Ihre Marktakzeptanz haben die pilzresistenten Sorten aus dem Institut allerdings noch nicht im gewünschten Ausmaß erreicht. Aber Weinbauinstitut und Staatsweingut werden auch in Zukunft daran arbeiten, sagte Jürgen Sigler, Chef der Oenologie im Institut, „die Weinqualität zu optimieren, die Wirtschaftlichkeit im Weinbau zu stärken und die Nachhaltigkeit zu fördern“. Der Weinwirtschaft sei daran sehr gelegen, betonte Peter Wohlfarth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes in seinem Grußwort: „Wir brauchen die praxisbezogene Forschung“. (uh)

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