Markgräfler Bürgerblatt

Die dünnste Bodenplatte aller KKWs weltweit

Der Gutachter André Hermann aus Basel, der die Erdbebensicherheit des Kernkraftwerks Basel in Frage stell. Foto: Homann

Kritik am Erdbebenschutz in Fessenheim

Jetzt ist Reaktor 1 des Kernkraftwerks Fessenheim wieder in Betrieb. Die EDF als Betreiber erklärte gegenüber dieser Zeitung, am Samstag, 30. September, sei der seit April abgeschaltete Reaktor hochgefahren worden: nicht zu Testzwecken, sondern für kontinuierliche Stromproduktion.

Reaktor 2 ist weiterhin abgeschaltet. Unterdessen haben Sicherheitsbedenken von Gegnern des Kraftwerks neue Nahrung erhalten. Ein Gutachter belegte nach Analyse von Dokumenten der EDF, dass etliche von der Atomaufsicht beanstandete Mängel trotz Auflagen noch nicht behoben worden sind. Jürg Stöcklin, Präsident des Atomschutzverbandes TRAS, dem 105 Städte und Gemeinden, weitere Organisationen und Einzelpersonen angehören, hat an den französischen Präsidenten Macron appelliert, Fessenheim abzuschalten.

Stöcklin bittet Macron in einem Brief darum, „dem unwürdigen und nun seit Jahren andauernden Tauziehen um die Schließung von Fessenheim ein Ende zu setzen. Aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich“. Der Präsident möge alles in seiner Macht stehende dafür tun, „damit die definitive Schließung von Fessenheim rechtsgültig verfügt wird“. In dem Schreiben heißt es weiter, die rechtliche Unsicherheit über die Schließung vergrößere die Gefährdung der Bevölkerung noch, „weil notwendige Investitionen in die Sicherheit unterbleiben“. Die TRAS sieht in einem Umkreis des KKWs von 100 Kilometern eine Gefährdung von fünf Mio. Menschen.

Mit der Analyse und Behebung von Sicherheitsmängeln hat sich der Basler Experte André Hermann im Auftrag der TRAS beschäftigt. Er kommt zu dem Schluss, die EDF als Betreiberin komme der Aufforderung der französischen Atomaufsicht ASN zu Reparaturen und Investitionen in die Sicherheit des umstrittenen Kernkraftwerks nicht in ausreichendem Maße nach. Zahlreiche Verbesserungen habe die EDF nach der Atomkatastrophe von Fukushima vornehmen sollen – das sei aber nur teilweise geschehen, vor allem der Erdbebenschutz werde vernachlässigt. 2017 seien entsprechende Auflagen der ASN immer noch nicht umgesetzt worden. Und so seien die Reaktorhüllen, deren Notlüftung, die Lagerbecken der Brennelemente, die Gasturbine der Notstromversorgung und die Notwasserspeicher nicht erdbebensicher.

Eines hat die EDF gemacht: die Bodenplatte aus Beton wurde von eineinhalb auf zwei Meter verdickt. Standard ist eine Stärke der Bodenplatte von drei bis fünf Metern. Im Fall einer Kernschmelze soll sie das Durchbrennen des bis zu 2.700 Grad Celsius heißen, verflüssigten radioaktiven Materials, des sogenannten Coriums, ins Grundwasser verhindern. Gutachter Hermann bleibt skeptisch. Auch nach der Verdickung hat Fessenheim die dünnste Bodenplatte aller Kernkraftwerke weltweit. (uh)

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