Markgräfler Bürgerblatt

Der siebte Tag ein normaler Tag?

Am Sonntag bleibt der Einkaufswagen leer – in vielen, aber längst nicht allen Städten. (Foto: Pixabay)

Sonntagsruhe versus Sonntagsöffnung:
Müllheim. Am siebten Tage solle man ruhen, sagt die Bibel. Nur mit dieser Ruhe ist es heute so eine Sache: die Regel, dass sonntags die Geschäfte durchwegs geschlossen sind, hat Lücken erfahren. Was Probleme birgt.
Kleriker und Konservative pochen auf die überlieferte Ordnung, mahnen einen Tag der Besinnung an. Freigeister argumentieren, dass sie selbst entscheiden wollen, wann sie ruhen. Und Dritte fordern eine Gleichbehandlung aller. Denn die existiert nicht: Tankstellen beispielsweise dürfen am Sonntag Reisebedarf verkaufen. Was exzessiv ausgelegt wird. Ist die „Tanke“ als verkappter Lebensmittelladen vielen Lebensmittelhändlern ein Dorn im Auge, so sehen sie mit scheelen Augen auf „Kur-, Erholungs- und Wallfahrtsorte“: Nach dem Gesetz über Ladenöffnung in BW dürfen dort Läden an jährlich maximal 40 Sonn- und Feiertagen bis zu acht Stunden geöffnet sein, darf aber nur ein eingeschränktes Sortiment wie Souvenirs oder Reiseproviant verkauft werden. Was beispielsweise einige Geschäfte in Bad Bellingen nutzen. Dazu können, wie Bürgermeister Dr. Christoph Hoffmann erläutert, „weitere Verkaufssonntage in Form von Festen, Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen an jährlich höchstens drei Sonn- und Feiertagen“ kommen, an denen dann aber das gesamte Sortiment angeboten werden kann.
Freiburg, sicher eine Touristenstadt, lehnt sowohl Sonntagsöffnung wie überhaupt verkaufsoffene Sonntage ab. Pressesprecherin Edith Lamersdorf: „Das Amt für öffentliche Ordnung prüft, wenn entsprechende Sachverhalte bekannt werden, ob ein Verstoß gegen das LadÖG (Sonntagsverkaufsverbot, § 3) vorliegt. Wenn ja, gehen wir dagegen vor, zuletzt gegen einen EDEKA Markt, in dem uns das Verwaltungsgericht vollumfänglich Recht gegeben hat.“ Müllheim führt erfolgreich verkaufsoffene Sonntage durch, die vom engagierten Gewerbeverein zu Events gestaltet werden, in Bad Krozingen – so der Gewerbeverband – war Sonntagsöffnung bisher kein Diskussionsthema, hier gibt es aber verkaufsoffene Sonntage.
Uneinheitlich, ungerecht, unübersichtlich, sagen viele. Christoph Hoffmann: „Im Grunde sollte man den Ladenbesitzern mehr Entscheidungsbefugnisse einräumen ob sie an den Sonntagen verkaufen wollen oder nicht!“ Niemand fordert eine generelle Sonntagsöffnung, doch mehr verkaufsoffene Sonntage wären schon aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, meint Olaf Kather, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Südbaden: „Der Handelsverband fordert die begrenzte Anzahl der Sonntagsöffnungen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man dem Kunden vorschreiben konnte, wann und wo er einkaufen darf, dank auch des Internets. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass vier Stunden am Sonntag den gleichen Umsatz liefern wie ein guter achtstündiger Samstag.“
Gefordert sind die Gemeinderäte, bei ihnen liegt die Entscheidung. Landrätin Dorothea Störr-Ritter, hat sich um eine abschließende Klärung nach Stuttgart gewandt – sie hält die uneinheitliche Handhabung für ein Hindernis bei der touristischen Entwicklung des Landkreises. (paw)

 

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