Breisach Aktuell

Der neue Wein-Trend: „lieblich trocken“

Breisach: „Modern trocken“ – das ist eine neue trockene Bezeichnung für den Trend bei den Kaiserstühlern Winzergenossenschaften, einen Großteil ihres Geschäfts mit Weinen zu gestalten, die nicht mehr streng trocken ausgebaut sind. Sondern eher lieblich daherkommen wegen des erhöhten Restzuckers, die aber knapp unter der Restzuckermenge von neun Gramm liegen, die als oberer Wert für trockenen Wein festgelegt sind. Geprägt hat den Begriff „modern trocken“ Oliver Weber, Verkaufsleiter des Winzervereins Oberrotweil bei einem Pressetermin der zwölf Kaiserstühler Winzergenossenschaften in Vogtsburg-Bischoffingen.

„Lieblich trocken“, so lautet die aktuelle Definition von Harry Flamm, Verkaufsleiter der WG Jechtingen/Amoltern, als die Kaiserstühler Winzergenossenschaften ihre Frühlings- und Sommerweine und ihre Events für das laufende Jahr vorstellten. Es ist eine Frage der Sprache, eine sprachliche Verharmlosung. Ungefähr so wie die Formulierung, ein Unternehmen hat Mitarbeiter „freigesetzt“ anstatt „entlassen“. Die Sprache des Marketings.

Rückblende: 1985 ergriff Christian Henninger von der WG Bickensohl die Initiative gegen damals hergestellte „schwere, füllige und süße Weine“. Er rief unter den Winzergenossenschaften die „trockene Welle“ aus – Schluss mit den schwer-süßen Ruländern, hin zu den trockenen Grauburgundern, heute eine Marke des Kaiserstuhls. „Wenig Restzucker, knackige Säure“, hieß fort an die Devise. Und bescherte Erfolg.

Die süße Welle überholt die trockene

trocken lieblich kaiserstuehler

Bild: Uli Homann

Der wird von den Winzergenossenschaften am Kaiserstuhl längst eingezuckert, bei allen Rebsorten, und bei den jetzt vorgestellten und angepriesenen Frühlings- und Sommerweinen. Angeblich, weil der Verbraucher das so will. „Der Anteil von lieblich-trocken steigt und steigt“, berichtet Harry Flamm aus Jechtingen und keiner seiner Kollegen widerspricht. „Der Wein muss schmecken“, fasst das Thomas Knab von der WG Oberbergen zusammen, das habe er schon bei seinen Professoren im Studium gelernt. So rechtfertigt auch Werner Giener, Kellermeister in der renommierten WG Sasbach, seinen jüngsten Riesling mit Restzucker am oberen Befund für trockenen Wein.

Zurück zum Begriff „modern trocken“. Ist der der Weinliebhaber, der nach wie vor den echt trockenen Wein bevorzugt, also mit zwei bis vier Gramm Restzucker und „knackiger Säure“, als „unmodern“ zu schmähen? Und bei den Winzergenossenschaften fehl am Platz? Es gibt etwas zu diskutieren in der Weinwirtschaft am Kaiserstuhl. Und wahrscheinlich leichtes Feixen bei vielen Qualitätsweingütern. Weil die Winzergenossenschaften ihnen das „trockene“ Geschäft überlassen. Oliver Weber berichtete freimütig von der jüngsten ProWein Präsentation in Düsseldorf. Da habe ein Händler rundheraus erklärt: „Wenn ich trockene Weine ordern will, dann muss ich mich an Weingüter wenden“. Na denn, Prost!

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