Breisach Aktuell

Der badische Herkules Johann Gottfried Tulla

Der Tulla-Turm auf dem heutigen Festspielgelände wurde 1874 erbaut. Bild: BA

Lebensraum für Anopheles Mücke und asiatische Tigerstechmücke

Als Bändiger des Rheins vom Rheinknie bis an die Grenze Hessens ging der badische Ingenieur Tulla in die Geschichte ein. Der Rhein war auf diesen 266 Kilometern ein gewaltiger Strom und zumindest am Oberrhein ein wildes, fast grenzenloses, mäanderndes (verschlungenes) und inselaufwerfendes Delta. Damals und Jahrhunderte zuvor das reinste Eldorado für die Anopheles Stechmücke, die Malaria überträgt und auch in Deutschland heimisch war.
Tulla zwang den Rhein in ein schnurgerades, kanalisiertes und künstliches Bett, um den Rhein schiffbar zu machen und vor allen Dingen die Malaria einzudämmen. Er wurde damit zum Befreier des Volkes aus den Sümpfen mit ihren Fiebern und Überschwemmungskatastrophen und rang dem Fluss neue Nutzflächen ab. Es entstanden auch neu geschaffene Idyllen. Dümpelnde Auewälder und Altarme des Rheins wurden über Generationen zu Naherholungsgebieten. Auch der Auewald zwischen Breisach und Sasbach ist zum grünen Salon der Anlieger geworden. Nun aber soll er umgebaut und immer wieder ökologisch geflutet werden, um den Wald an Retentionshochwasser zu gewöhnen. Analog dazu ist das Kulturwehr Breisach bereits weitgehend ausgebaut.
Tulla selbst verstarb im Jahr 1828 in Paris und wurde dort mit 58 Jahren auf dem Friedhof Montmatre zu Grabe getragen. In Paris hatte er noch ärztliche Spezialisten aufgesucht, doch das Leben von Tulla endete ausgerechnet am Sumpffieber Malaria. Wie er starben zu jener Zeit etwa ein Prozent der Bevölkerung an der weitgehend verbreiteten Malaria, die in bestimmter Form auch in Deutschland heimisch war. Tulla selbst erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen im Jahr 1874 auch in Breisach seine Erinnerung mit dem Turm auf dem Schlossberg in Breisach.
Stillgewässer sind die idealen Voraussetzungen für die Stechmückenbrut. Nach Überflutungen bilden sich viele kleine Wasserinseln und stehende Gewässer, für die Stechmücken Fortplanzung reicht da auch schon mal ein mit Wasser gefüllter Blattkelch. Dazu bietet das Oberrheingebiet ideale klimatische Bedingungen und Überschwemmungszonen fördern die Massenentwicklung. Die Überträgerin Anopheles Mücke von Malaria (dem kalten Fieber) benötigt tierisches oder menschliches Protein für die Fortpflanzung und holt sich dies ungehemmt über den Stechrüssel. Auch die asiatische Tigerstechmücke ist in unserer Region schon aufgetaucht. Sie überträgt des Dengue Fieber und benötigt gleichfalls stehende Gewässer für die Eiablage.
Die spannende Frage lautet nun: Kommen mit den biologischen Veränderungen die fliegenden Plagegeister wieder zurück? Wie wirken sich die geplanten jährlichen Flutungen und Retentionsflutungen aus? Bringen uns die neuen Überschwemmungsgebiete alte und gar neue gefährliche Flieger zurück?
Fragen, die es zu beantworten gilt. Tulla könnte uns vielleicht eine Antwort darauf zu geben, aber sein geschichtsrelevanter Beitrag ist Zeitgeschichte. Auch die KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) sollte wissen, in wie weit künftig die Bekämpfung oder ein notwendig werdender systematischer Einsatz von Insektiziden im Einklang mit den jährlichen 20 Tage Flutungen im Auftrag des Landes Baden-Württemberg notwendig werden. Denn Aufgabe der KABS ist es, die Bevölkerung ausreichend vor Stechmücken und dabei insbesondere auch vor gefährlichen Parasiten zu schützen. Überschwemmungsgebiete sind im Übrigen nur noch schwer zugänglich und die Retentionsflächen von 800 Hektar Wald in den künftig drei Poldern rund um die Stadt Breisach sind dabei ganz sicher kein Pappenstiel.

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