Markgräfler Bürgerblatt

Das Fest der Liebe und des Verständnisses – oder: Todsichere Tipps für Weihnachtsärger

Weihnachten, das Fest der Liebe und des Verständnisses? Wo alle Menschen gutherzig sind, voller Nachsicht und kein böses Wort fällt? Sie glauben nicht daran? Nun, das können Sie ausprobieren. Zum Beispiel, in dem Sie am Weihnachtsmarkt, wenn sich alle Kinder um den rotgewandeten Weihnachtsmann drängen, laut rufen. „Betrug! Das ist nur der olle Lehrer Krause in mottenzerfressenen Klamotten vom Theaterfundus!“ Sie werden über die Reaktionen, insbesondere der Eltern, erstaunt sein. Oder auch nicht…
Weihnachten = Weihnachtsgeschäft: das kennt man ja. Aber laut einer repräsentativen Umfrage der Versicherung Generali unter der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahren, ärgern sich 55,6 Prozent der Bundesbürger, wenn sie vor Weihnachten an der Kasse anstehen müssen. Das die VerkäuferInnen genervt sind stört immer noch 15 Prozent und die laute Weihnachtsmusik all überall – „Last Christmas“, „Stille Nacht“ und „White Christmas“ – bringt immer noch 15 Prozent der Deutschen auf die Palme – äh, Tanne.
Die muss in Deutschland sein und die kauft man natürlich an einem Adventswochenende. Auf die Idee sind zwar gefühlte 100 Prozent der Mitbürger ebenfalls gekommen, aber, macht nichts: Zum Verladen braucht man Platz, also belegt man mindestens drei Parkplätze. Was interessiert da die hupende Autoschlange? An Weihnachten, so die Generali-Umfrage, ärgern sich mehr als ein Drittel der Bundesbürger über die langwierige Parkplatzsuche…
Glücklich dann, wer alles hat und wieder heim fahren darf. Da kommt dann im Parkhaus allgemeine Freude auf, wenn man an der Ausfahrtsschranke bemerkt, dass man das Parkticket noch nicht bezahlt hat, seelenruhig zum Kassenautomaten zurückgeht und dort versucht, mit dem aus der Hosentasche gezerrten, verknüllten Fuffi zu zahlen.
Geschenke wollen wohlbedacht ausgesucht sein, sie sollen ja Freude bereiten. Deshalb ist es klar, dass man – egal wie voll der Buchladen, die Parfümerie oder das Spielzeuggeschäft ist – sich ausführlich beraten lässt. Und da ja manch ein potentielles Geschenk teuer ist, sollte man die Ausgabe erstmal überschlafen: nur nichts überstürzen! Man weiß ja jetzt Bescheid. Und den online-shop gibt’s ja auch noch…50 Prozent der Weihnachtseinkäufer – sowohl Kunden wie Verkaufspersonal – lieben solche „Kunden“ und schieben ihretwegen einen gewissen Frust…
Hat man sich dann doch zum Kauf entschlossen, dann sollten die Geschenke auch nett verpackt werden. Da das die VerkäuferInnen ja unmöglich so gut können wie Sie selbst – wann packen die, gerade in der Weihnachtszeit, schon mal Präsente ein? – sollte man mit guten Ratschlägen nicht geizen: das Ladenpersonal wird dankbar sein und die Schlange hinter Ihnen auch! Sollte wider Erwarten doch keine Freude beim Gegenüber aufkommen, dann weisen Sie ruhig daraufhin, dass das wieder einmal ein Beweis für „Deutschland, die Servicewüste“ sei und rund 30 Prozent der Deutschen sich über unfreundliches Personal ärgern. Das hilft, bestimmt!
Allerdings: die Versicherungsumfrage hat auch ergeben, dass sich bei 15 Prozent der Befragten aus solchen Situationen schon ein im wahrsten Sinne des Wortes handfester Streit entwickelt hat – vielleicht weniger in einer Parfümerie oder einem Buchladen. Aber wer beispielsweise an Wurstbraterei oder am Glühweinstand unbedingt mit Münzen, wenn geht: roten!, zahlen möchte, kann einigermaßen sicher sein, dass nicht nur die Leute im Stand, sondern auch die davor etwas verärgert reagieren!
Weihnachten ist ja das Fest der Familie. Was nicht unbedingt jedem gefallen muss. Wer nun fürchtet, dass er dieses und nächstes und übernächstes Jahr wieder die zähe Gans bei Onkel Heinz und Tante Gertrud verzehren muss, den sauren Wein, den Cousin Friedhelm mitbrachte, trinken und zum xten Male über die Witze von Großonkel Theo lachen muss, der kann wie folgt vorgehen: er kommt eine Stunde zu spät zum Festmahl und behauptet die ganze Zeit seiner Anwesenheit über steif und fest, dass die anderen sich geirrt hätten. Besorgte Nachfragen nach Alzheimer oder Demenz oder der Vorschlag, man solle im kommenden Jahr doch statt der telefonischen eine briefliche Verabredung treffen, steigern die allgemeine Sympathie dem Zuspätkommer gegenüber. Und: das Jahr drauf wird er nicht mehr eingeladen!
Gut, ein gewisses Risiko des Fehlschlages besteht, denn nach der Umfrage von Generali ärgern sich 30 Prozent der Deutschen über Fehler Fremder mehr als über die ihnen Nahestehender – da sind es nur 21 Prozent. Aber, einen Versuch ist es allemal wert.
Frohes Fest!

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