Markgräfler Bürgerblatt

bis zum 15.2.2015 – Deutsch-russische Ausstellung

(v.l.) Heinz Setzer, Dr. Thomas Schmid, Leiter der Arbeitsstelle für die Literarischen Museen in Baden-Württemberg in Marbach, Prof. Dmitri Bak, Direktor des Staatlichen Literaturmuseums der Russischen Föderation in Moskau, Bürgermeister Karl-Eugen Engler, Anastasia Alexandrowa, russischen Literaturmuseum, Sergej Maguta, Erster Botschaftsrat und Kulturattaché der russischen Botschaft, Rolf-Dieter Kluge, Vorsitzender der Deutschen Tschechow-Gesellschaft, Prof. Jürgen Brodwolf. Foto: privat

„Tschechows Reise nach Sachalin“

Badenweiler. Großen Anklang findet die Ausstellung über das größte Abenteuer des russischen Schriftstellers Anton Tschechow, seine Reise auf die ehemalige Sträflingsinsel Sachalin im Großherzoglichen Palais Badenweiler. Anlässlich des 125-jährigen Reisejubiläums konnten sich das Deutsche Literaturarchiv in Marbach und das Literarische Museum Badenweiler „Tschechow-Salon“ die Ehre teilen, das zum nationalen Kulturgut Russlands zählende Bildmaterial zeigen zu dürfen. Das Staatliche Literaturmuseum der Russischen Föderation in Moskau hatte es erstmals für eine öffentliche Präsentation frei gegeben; nach Marbach und Badenweiler werden die Fotos in Moskau und auf Sachalin zu sehen sein.
Die 56 kommentierten s/w-Fotografien sind kulturgeschichtliche Paradestücke. Ergänzt wird die Präsentation durch das „Glasbuch“ zu Tschechows Sachalinreise des Stuttgarter Künstlers, Prof. Jürgen Brodwolf und weiteren Dokumenten.
Das autokratische Zarenreich zog Ende der 1880er Jahre die juristischen Schrauben an und schickte Tausende in die Zuchthäuser und Strafkolonien Sachalins. Tschechow, als 30-jähriger Arzt mit seiner bisherigen Wirkungsmöglichkeit als Schriftsteller unzufrieden, brach auf, um der Gesellschaft über den unmenschlichen Strafvollzug der „Hölle Sachalin“ die Augen zu öffnen. Ohne offiziellen staatlichen Auftrag führte er auf der Insel eine Volkszählung durch, erfasste in drei Monaten rund 10.000 männliche wie weibliche Zuchthäusler und Strafkolonisten, alle, bis auf die „Politischen“, zu denen man ihm den Zugang verweigerte.
Als er über den Indischen Ozean zurückreiste, erlebte er unter den Palmen Ceylons das Gegenstück zu Sachalin. Er schrieb an einen Freund: „Ich habe gelebt! Ich war in der Hölle, auf Sachalin, und im Paradies, das heißt auf der Insel Ceylon.“ Tschechows 1895 publiziertes Buch „Die Insel Sachalin“ sollte die russische Gesellschaft erschüttern, 1902 schrieb ein Kritiker „Hätte Tschechow nichts mehr geschrieben als dieses Buch, so wäre sein Name dennoch auf ewig in die Geschichte der russischen Literatur eingeschrieben!“
Die Ausstellung im „Kunstpalais Badenweiler“ ist bis zum 15. Februar zu folgenden Zeiten geöffnet: Do – Sa 14-17, So 11-17Uhr, Eintritt 2 €, Schüler/Studierende frei, Katalogpreis 7,50 €.

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …