Markgräfler Bürgerblatt

Berufswelt 2017:

Beim „marktplatz: Arbeit Südba den“ besteht Gelegenheit für Berufseinsteiger wie für Firmen, sich kennen zu lernen. Foto: Salzer-Deckert

Gemeinsam geht es aufwärts

Sank 2016 noch die die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge gegenüber 2015 um 1,3 Prozent auf den historischen Tiefstand von rund 510 000, ist 2017 ein Silberstreif am Horizont zu sehen: Industrie- und Handelskammer (IHK) wie Handwerkskammer (HWK) Freiburg melden steigende Lehrlingszahlen. Ob es die Trendwende ist, dazu sei aber erst im November eine Aussage möglich.

Der Ausbildungsmarkt hat sich grundlegend verändert. Johannes Ullrich, Präsident der HWK: „Der Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren von einem Angebotsmarkt zu einem Bewerbermarkt gewandelt. Die Jugendlichen haben heute die „Qual der Wahl“.“ Das bedeute, so Ullrich, „das Handwerk ist mehr gefordert denn je. Wir müssen die jungen Menschen neugierig aufs Handwerk machen. Das ist unsere Botschaft: Schaut euch um! Probiert euch aus!“

Das sollten Berufseinsteiger ernst nehmen, denn angesichts des Fachkräftemangels, der Südbadens Betriebe umtreibt, ist eine gute Ausbildung Karrierechance und aktive Arbeitsplatzsicherung. Und: In Südbaden sind wirklich alle Unternehmen interessiert, Nachwuchs anzuwerben – wohingegen die „Süddeutsche Zeitung“ jüngst verblüfft meldete, dass immer noch rund ein Viertel der deutschen Unternehmen nicht ausbilde, sich also darauf verlasse, von Mitbewerbern Fachkräfte abwerben zu können.

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz hängen laut Bundesagentur für Arbeit neben Region oder Qualifikation vom Berufswunsch ab. Zwar meldeten von Oktober 2016 bis Juli 2017 sich 512.000 Bewerber für eine Lehrstelle, 2.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 512.000 Azubistellen gemeldet, 1.000 mehr als 2016. Theoretisch war also für jeden eine Stelle da. Aber es treten Disparitäten zu Tage. Deutschlandweit waren im Juli 2017 die meisten noch unbesetzten Lehrstellen gemeldet für Kaufleute im Einzelhandel (13.000 Ausbildungsangebote), Verkäufer (11.000) und Köche (6.000). Insgesamt standen im Juli 2017 bundesweit 179.000 unbesetzten Ausbildungsstellen 151.000 unversorgte Bewerber gegenüber.

Hinzu kommt, dass viele Schulabgänger kaum eine Vorstellung haben, welche Ausbildungsberufe es gibt und was ihnen liegen könnte. Auch hier sind die Firmen des Südwestens aktiv und bieten Praktikumsplätze, Schnupperwochen, engagieren sich auf Messen und schicken Infotrucks. Stephan Wilcken, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, beschreibt das Tun seines Verbandes hierbei so: „Die Ausbildung wird bei den Science Days und den Bildungsmessen beworben: nicht jeder Schulabgänger muss studieren, die duale Ausbildung bietet den Einstieg in interessante und auch gut bezahlte Jobs in der M + E Industrie. Die betriebliche Weiterbildung ist ein Thema, dessen wir uns in den letzten Jahren besonders angenommen haben. Die Erkenntnis, dass sich die Tätigkeiten in den nächsten Jahren erheblich ändern werden – Stichworte sind Industrie 4.0, alternative Antriebe, Automatisierung der Arbeitsprozesse – , ist leider noch nicht bei allen Beschäftigten angekommen.“

Messen wie „Jobbörse“ oder der bewährte „Marktplatz Arbeit Südbaden“, der im November wieder in Freiburg stattfindet und Firmen und Arbeitnehmer zusammenführt, sind Hilfen, die man nutzen sollte. Zumal „die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Wirtschaft (…) auf einem historisch hohen Niveau (ist); die Zahl der zu besetzenden Ausbildungsplätze liegt deutlich über der Zahl der Bewerber“, sagt Dr. Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein und fügt hinzu: „Über das Plus von vier Prozent bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr – trotz des Fachkräftemangels – freuen wir uns sehr. Zu diesem positiven Ergebnis tragen auch die Flüchtlinge bei, die in Ausbildung sind. Hier trägt die Wirtschaft erheblich zur Integration bei. Der Einsatz der Unternehmen ist enorm, da die Flüchtlinge intensive Betreuung benötigen, um die Ausbildung am Ende auch abzuschließen.“ (paw)

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