Markgräfler Bürgerblatt

Bayerische Tradition und Badische Lässigkeit: Das Oktoberfest als Exportartikel

Grad a Gaudi is‘! Bayerisches Oktoberfest im badischen Tunsel. Fotos: Roland Schönberg

Bad Krozingen-Tunsel. „Denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“, könnte als Motto über der Geschichte des Oktoberfestes stehen: was heute weltweit gefeiert wird, war einst nichts anderes als eine Verbeugung an das königlich-bayerische Brautpaar Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese im Jahre 1810.
Man wollte anlässlich der Hochzeit der beiden Gaudi und Huldigung unter einen Hut bringen und verfiel auf die Idee, vor den Toren Münchens ein Pferderennen stattfinden zu lassen. Auf diesen Sport, so die Ansicht, würden sich alle verständigen können. Es klappte: zwar musste sich das Hochzeitspaar eine Menge Ansprachen, Musik und Chorgesang anhören, aber dann vergaß man alles beim Rennen – es wurde gewettet, gerauft, Bier getrunken, geschnapselt, Würstl und Hendl verzehrt grad zünftig war‘s. Der „Sendlinger Berg“ war die Tribüne, die heutige Theresienwiese die Rennbahn.
Zwar musste das Volksfest aufgrund der Napoleonischen Kriege einmal sogar ausfallen, aber diese zutiefst klassenlose Gaudi wollte keiner mehr missen und so versammelte man sich nach dem Einbringen der Ernte Jahr für auf der Theresienwiese, wuchs das das Fest – und bekam Ableger.

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Heute, 2016, findet man sie am Persischen Golf, in den USA, Australien, Kanada, Brasilien, Russland, Japan – und in Baden. Als vor einigen Jahren Freiburgs Traditionsbrauerei Ganter mit diesem Brauch begann, war die Skepsis groß. Heute ist der Gang zum „Badischen Oktoberfest“ in Freiburg, Karlsruhe, Weil am Rhein und anderswo, selbstverständlich. Und war vor Jahren für den Durchschnittsbadener Dirndl und Lederhose das etwas eigenwillige Outfit des bayerischen Eingeborenen, so wird eben dieses Outfit heute ganz selbstverständlich in Staufen (9. Oktober), Müllheim (9. Oktober), Heitersheim (8. Oktober), Pfaffenweiler (16. Oktober) und Schallstadt (24. Oktober) getragen.

 
Es heißt „Ozapft is‘!“, es ist „Oktoberfestbier“ im Liter-Maßkrug und „a zünftig Brotzeit“ gibt’s auch. Ja, einige der hiesigen Feste haben schon Kultcharakter: in Freiburg bei Ganter oder in Tunsel (15./16. Oktober), wo seit nunmehr sechs Jahren der zünftige Fassanstich geprobt wird und die gute Laune überschwappt. Es erklingt das „Badnerlied“ und wird ebenso inbrünstig intoniert wie in München Bayerns Hymne, und wie das weiß-blaue Original sind Badens Oktoberfeste: schichtenübergreifend – der Begriff „Volksfeststimmung pur“ ist sicher hier nicht falsch angewandt. Da kann es also nur heißen: Dirndl und Lederhosen angezogen und hinein ins Oktoberfestgetümmel! (MBB)

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