Markgräfler Bürgerblatt

Bauwirtschaft in Baden-Württemberg

Es wird intensiv gebaut, doch es fehlt an Nachwuchs und Fachkräften – die Baubranche ist im Umbruch. Foto: Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V.

Hauptproblemist der Fachkräftemangel

Stuttgart/Freiburg. Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg hat für das 1. Halbjahr 2015 eine eher verhaltene Entwicklung vorzuweisen, hofft aber bis Jahresende wieder mehr an Fahrt zu gewinnen.
Bis April lagen die Umsatzzahlen im Minusbereich. Ursache war die ungünstige Witterung; durch den starken Juni stieg der Gesamtumsatz bis Jahresmitte dennoch um 2,4 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro. Die Auftragseingänge aller Bausparten im 1. Halbjahr erreichten ein Plus von fünf Prozent und lagen bei knapp 4 Mrd. Euro. Besonders im Öffentlichen Bau zeigten die Ordereingänge wieder deutlich nach oben, ebenso wie die Bauausgaben des Landes. Bis Ende 2015 erwartet Verbandspräsident Bernhard Sänger für seine Branche eine Umsatzsteigerung von 1,5 bis 2 Prozent. Die kräftigen Zuwächse vom Vorjahr werden voraussichtlich nicht mehr erreicht.
Weiter positiv entwickelt haben sich die Beschäftigtenzahlen auf dem Bau. Zwischen Januar und Juni 2015 waren in Baden-Württemberg im Monatsschnitt 91.212 Mitarbeiter registriert, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus um 0,7 Prozent. Der steigende Personalbedarf bereitet aber auch zunehmend Kopfzerbrechen. Immer mehr offene Stellen stehen immer weniger Arbeitssuchenden gegenüber. Im Juli gab es 2.567 Arbeitslose und 1.350 offene Stellen. Auch die Zahl der unbesetzten Lehrstellen steigt weiter. Zwischenzeitlich bleibt etwa ein Drittel der Ausbildungsplätze frei. Grund sind fehlende oder ungeeignete Bewerber. Der eklatante Fachkräftemangel ist angesichts des demografischen Wandels kein bauspezifisches Problem, in der Baubranche aber besonders ausgeprägt. Zudem ist die Altersstruktur unausgewogen. So werden auf dem Bau in den kommenden zehn Jahren altersbedingt etwa 30 Prozent der gewerblichen Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Durch junge Nachwuchskräfte allein kann diese Lücke nicht geschlossen werden. Daher steigt auch die Abwerbequote in der Bauwirtschaft rapide an. Waren es vor zehn Jahren nur ein Prozent der Firmen, die auf diese Weise neue Mitarbeiter rekrutiert haben, liegt die Quote jetzt bei zwölf Prozent. Laut Umfrage sehen die Bauunternehmen beim Fachkräftemangel inzwischen die größte Herausforderung für ihre Arbeit – noch vor Arbeitskosten, Rohstoff- und Energiepreise oder wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.

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