Markgräfler Bürgerblatt

Badenweiler Musiktage

Klaus Lauer (l.), musikalischer Leiter der Badenweiler Musiktage, und Michael Schmitz, Geschäftsführer der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH, freuen sich auf die zweite Auflage der Badenweiler Musiktage. Foto: BTT GmbH

Unbefangene Fluchten aus dem Alltag

Badenweiler. Mit den „Musiktagen“ wurde die musikalische Tradition Badenweilers wiederbelebt. Inzwischen bietet das Heilbad zwei Festivals – eines im Frühjahr und eines im Herbst. Treibende Kräfte hinter diesen Veranstaltungen sind Michael Schmitz, seit Juni 2013 Geschäftsführer der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH, und Klaus Lauer. Der Hotelier im Ruhestand leitete von 1973 bis 2007 die renommierten Römerbad-Musiktage und war als künstlerischer Leiter und Berater bei internationalen Festivals und Konzerten tätig.

 

Markgräfler Bürgerblatt (MBB): Entdeckt der Bürger Kunst – insbesondere Musik – neu, vielleicht als  Flucht aus dem Alltag? Bilden künstlerische Angebote die „kleinen Fluchten“ aus einer immer intensiveren Arbeitswelt?

Klaus Lauer: Ich sehe es weniger als eine Flucht, denn als bewusstes Eintreten in eine andere Erlebniswelt, in der Musik aus vielen Jahrhunderten dadurch erlebbar wird, dass Musiker sie darstellen.
Michael Schmitz: Besonders Festivals erlauben das Heraustreten aus dem Alltag mit den üblichen Beschwerlichkeiten der städtischen Konzerte – Zeitmangel abends und morgens, Verkehr, Schlange stehen, immer die gleichen Gesichter, unwillige Restaurants nach dem Konzert etc. Sie vermitteln zudem zusammenhängende Konzerte, bei denen man einmal eine Vertiefung erfahren kann: durch die Einführungsvorträge, durch interessante Programme, durch den Austausch mit anderen beim anschließenden Weinempfang, bei einem entspannten Abendessen zu normaler Zeit bedingt durch den frühen Konzertbeginn – in Badenweiler um 18 Uhr)

 

MBB: „Badenweiler Römerbad-Musiktage“ waren die hochgelobten, weitbekannten Vorläufer der heutigen Musiktage. Die Römerbad-Musiktage galten als Highlights, die ihr Publikum auch zu neuen künstlerischen Ufern  den Weg wiesen: Ist es schwer, einen solchen Ruf zu erneuern? Schreckt er vielleicht auch den einen oder anderen Musikfreund als allzu ambitioniert ab?

Lauer: Die Römerbad-Musiktage und jetzt die Badenweiler-Musiktage brechen ja nicht nur zu neuen Ufern auf, sondern pflegen das gesamte Repertoire unter Einbeziehung neuer Musik. Da der Intendant derselbe war und ist, ist die Kontinuität gewahrt. Wir brauchen uns nicht neu zu erfinden. Für mich als Programmchef gibt es nur gute oder schlechte Musik; ich mache keinen Unterschied zwischen alt und neu. Die Ambition besteht darin, es wirklich gut zu machen. Spekulation auf ein zahlreicheres  Publikum ginge ja Hand in Hand damit, die Latte niedriger zu legen, was sich meist als Fehlspekulation entpuppt hat.

 

MBB: Versuchen Sie bitte, die Zielrichtung, die Sie mit den Musiktagen mittel- bis langfristig haben, zu definieren: Wo sollen die Musiktage in, sagen wir, zehn Jahren stehen?

Lauer: Die Intention ist die, dass hier im ländlichen Raum das Publikum ganz unbefangen kommt, unbefangen die Musik hört, sich daran erfreut und die Musiktage zu einem festen Termin im Jahreskalender macht.

MBB: Welche Bedeutung haben die Musiktage innerhalb des Marketingkonzepts Badenweilers?

Schmitz: Eine der Hauptsäulen unseres neuen Marketingkonzepts ist gerade die Kunst und Kultur. Daher haben die Musiktage für uns eine sehr große Bedeutung. Solche musikalischen Ereignisse haben in Badenweiler seit den Römerbad-Musiktagen ja eine lange Tradition. Und sie sind mit Blick auf die Übernachtungen und aufgrund der Besuche vieler Tagesgäste auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor!

MBB: Musiktage, Literaturtage – strebt Badenweiler das Image eines „Intellektuellen-Bades“ an?

Schmitz: Nein, sicher nicht. Aber Badenweiler war schon immer Ziel von Literaten, Künstlern, Musikern, Schriftsteller, Adligen und damit im besten Sinne Intellektuellen, die das besondere Flair in Badenweiler genossen haben. Und dazu passen die Badenweiler Musiktage hervorragend.

MBB: Badenweiler Musiktage Frühjahr 2015: Was sind die Highlights, welchen Abend sollte man sich nicht entgehen lassen?

Lauer: Das Thema ist „à la française“ – also französische Musik zwischen 1879 und 2014. Als Intendant kann ich schlecht einem speziellen Konzert den Vorrang geben, wer aber ein großes Zeitspektrum (1889-2007) mit vielen verschiedenen Besetzungen hören will, dem sei das Konzert am 3. Mai empfohlen.

Die NZZ schrieb, dass ein Konzert veranstalten bedeute, wie Gastgeber zu sein: Gehört das Gläschen Markgräfler Gutedel nach einem Musiktage-Konzert zu dieser Haltung? Senkt man damit nicht auch die Schranken zwischen Kunstkonsumenten und Künstlern, öffnet so Dialogmöglichkeiten?

Schmitz: Die sich dem Konzert anschließenden Empfänge zu einem Glas Wein haben sich als äußerst gewinnbringend für das Publikum, die Musiker und die Veranstalter und nicht zuletzt auch für die Weinpartner erwiesen.
Info: www.badenweiler-musiktage.de; Vorverkauf: www.reservix. de oder Tourist-Information Badenweiler, Schlossplatz 2 oder Abendkasse, jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn

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