Markgräfler Bürgerblatt

Bad Krozingen – das Heilbad in einer Identitätskrise?

Das ehemalige Breisgaudorf Bad Krozingen hat heute 17.600 Einwohner, davon leben 11.500 im Kernort. Im Laufe der letzten Jahre sind nun die Übernachtungen in der Kurstadt von einst einer Million auf 600.000 zurückgegangen. So die Statistik der Kur- und Bäder GmbH.

Der seit Anfang 2014 amtierende Bürgermeister Volker Kieber hat nun in den Monaten seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2014 zahlreiche Interviews gegeben und dabei die Meinung vertreten, dass der Bau eines neuen Kurhotel eine österreichischen Investors die wirtschaftlichen Probleme der Stadt lösen könnte. Wenn man den Blick zurückschweifen lässt, dann sieht man, dass während der 16-jährigen Amtszeit seines Vorgängers Eckart Meroth, durch den Abriss zahlreicher, auch historischer Gebäude, Grundstücke für die Bebauung mit massiven vier- bis fünfgeschossiger Häuser frei gemacht wurden. Dadurch wurde das Stadtbild wesentlich verändert, sodass der ursprüngliche dörfliche Charakter fast verloren gegangen ist. Dies mag auch ein weiterer Grund für den Rückgang der Übernachtungen sein. Das radikale Vorgehen bei der Bebauungsplanung (oft gebrauchtes offizielles Schlagwort: „Zukunftsicherung“) hat dann zu einen stetig wachsendes Unverständnis bei den Bürgern geführt. Dazu beigetragen hat auch die Schliessung und anschliessende Bebauung einiger innerörtlicher Parkplätze. Dabei wurde die örtliche Verkehrsplanung wurde vernachlässigt, sodass das ländliche Heilbad in seiner Innenstadt oft von einem unerfreulichen Verkehrschaos bedroht wird. – Hier fehlen Entscheidungen für die Zukunft.

Im den Jahren 2013/14 wurde das Neubaugebiet „Kurgarten I“, in Form einer Satellitenstadt, auf bisherigem Ackerland errichtet und als Erweiterung ist nun das anschliessende Baugebiet „Kurgarten II“ geplant. Dieser neue Ortsteil grenzt an den nördlichen Rand des Kurparks, der nun nicht mehr erweitert werden kann, weil er von allen Seiten von Bebauung umgeben sein wird.
Da der Park, das wertvolle, grüne Herzstück des Kurortes ist, haben zahlreiche Bürger, die dieses „landschaftliche Kleinod“ schätzen, eine Initiative in Leben gerufen, die den Bau eines viergeschossigen Kurzentrums (auf günstiger Erbpachtbasis), mit Ausmassen von 150 x 50 m direkt neben dem Kurhaus, verhindern soll. Dadurch wird der Park um mindestens 39 alte Bäume verkleinert und auch irgendwie Teil des neuen Kurhotels.

Das geplante neue „Kurzentrum Bad Krozingen“ der österreichischen Künig Gruppe wird (wenn es so kommt) auch über eigene Therapieeinrichtungen und ein großes Innen- und Aussenschwimmbecken verfügen. Der Wettbewerbsvorteil dieser neuen Einrichtung, durch den Standort im Kurpark und das komplette Wellness-Komplettangebot, hat nun die bestehenden privaten Kurhotels und Rehaklinik Kliniken auf die Barrikaden gebracht, da sie schon heute Belegungsprobleme haben und für die Therapien extern auf die „Vita Classic“ Therme angewiesen sind.
Die von der Kur- und Bäder GmbH vorgenommene „Erweiterung des Kurparks“ besteht aus einigen Wiesen aus ehemaligem landwirtschaftlichem Besitz, auf denen nun eine mit Kunstrasen belegte Übungsgolfanlage und ein kleiner Teich mit Spielplatz, umgeben von einem jungem Baumbestand, errichtet wurden.

Die von der Bürgerinitiative „Kein-Hotel-Im Kurpark“  gesammelten 4200 Unterschriften (30% der Wahlberechtigten) gegen den Bau des Hotels des österreichischen Unternehmens (das schon 12 andere Kuranlagen betreibt) wurden auch wegen der mit großem Unwillen aufgenommenen „Hinterzimmerpolitik“ geleistet: Die Bürger wurden erst nach der Verabschiedung der neuen Bebauungsplanung im Gemeinderat, bei einer eilig vom Bürgermeister und Kurdirektor angesetzten Versammlung, lückenhaft informiert. – Die Bürger fühlten sich mal wieder von der rasanten Geschwindigkeit bei der Stadtentwicklung überrollt. – Zudem war das Hotelthema zuvor nie öffentlich diskutiert worden, auch nicht im Kommunalwahlkampf. Nun hat die Bürgerinitiative hat mit ihren Aktivitäten nun erreicht, dass am 1. Februar 2015 ein Bürgerentscheid stattfindet.

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