Markgräfler Bürgerblatt

Ausbau der Rheintalbahn – Bestenfalls ein Teilerfolg

Sind unzufrieden mit dem Ergebnis des Projektbeirats zum Ausbau der Rheintalbahn: Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann und seine Müllheimer Amtskollegin Astrid Siemes-Knoblich. Foto: Deckert

Stuttgart/Müllheim. Keine Tieferlegung des Güterzugverkehrs, aber immerhin 50 Mio. Euro für zusätzlichen Lärmschutz, transparente Lärmschutzwände und eine ebenerdige Anbindung der „Bürgertrasse“ an den Katzenbergtunnel. So lautete das Ergebnis der zehnten Sitzung des Projektrats zum Ausbau der Rheintalbahn in Stuttgart in der Diskussion um die sogenannte „optimierte Kernforderung 6“ (oKF6) beim Bahnausbau.
Der Vorsitzende des Regionalverbands Südlicher Oberrhein (RVSO), Otto Neideck (CDU), wertete das Ergebnis als unerwarteten Erfolg, mit dem noch vor wenigen Monaten nicht zu rechnen gewesen sei. Auch Verbandsdirektor Dieter Karlin zeigte sich mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden und sagte, er hoffe, dass das Ergebnis auf Akzeptanz stoßen werde. Landrätin Dorothea Störr-Ritter (CDU) betonte, dass das Ergebnis in Stuttgart sie nicht überrascht habe, dass sie aber die Enttäuschung der Bevölkerung verstehe. Störr-Ritter hob das Engagement der Bürgerinitiativen für mehr Lärmschutz hervor: „Ich bin mir sicher, dass es erst dadurch möglich war, zumindest die wichtige Forderung nach optimalem Lärmschutz direkt an der Bahntrasse und die Durchfahrt aller Güterzüge durch den Katzenbergtunnel zu ermöglichen.“ Auch die Lörracher Landrätin Marion Dammann (parteilos) zeigte sich mit dem Stuttgarter Ergebnis zufrieden: Nun könne die Strecke so ausgebaut werden, dass alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel geführt werden, was auch für den Kreis Lörrach eine wichtige Forderung gewesen sei.
Astrid Siemes-Knoblich, Bürgermeisterin der von der Entscheidung mitbetroffenen Gemeinde Müllheim, stellte sich unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Presse, trotz des Trubels, den die Eröffnung des traditionellen Stadtfestes mit sich brachte. Der Müllheimer Gemeinderat hatte noch vergangene Woche einstimmig für die „oKF6“ votiert und mit Klagen gedroht, falls sie nicht durchgesetzt werde.
Ebenfalls beschlossen wurde am Freitag in Stuttgart die lang umkämpfte Autobahnparallele für das dritte und vierte Gleis zwischen Offenburg und Riegel/Kreis Emmendingen. Zusammen mit der „Bürgertrasse“ im Markgräflerland, dem Eisenbahntunnel in Offenburg und der Umfahrung Freiburgs wird die Rheintalbahn zwischen Offenburg und Müllheim nun vermutlich zwei Mrd. Euro teurer als ursprünglich von der Bahn geplant. Die „Bürgerstrasse“ im Markgräflerland könnte bis in 16 Jahren fertig gestellt werden, hieß es am Freitag in Stuttgart. (MBB)

 

 

 

Lange Gesichter in Müllheim und Auggen

Nicht alle jubeln über die Ergebnisse des Projektbeirats zum Ausbau der Rheintalbahn: in einer gemeinsamen Mitteilung haben die Bürgermeister von Auggen und Müllheim, Fritz Deutschmann und Astrid Siemes-Knoblich (beide parteilos), am vergangenen Montag ihrer Enttäuschung darüber Luft gemacht, dass die „optimierte Kernforderung 6“ (oKF6), die eine Tieflage des Gleisbetts forderte, sich bei Bund und Land nicht durchsetzen konnte. Die Bürgerinitiative (BI) „Bürger-Bündnis Bahn Markgräflerland e.V.“ wurde noch deutlicher: Der Entschluss sei „eine schwere Hypothek“ für die Region. Beide Gemeinden müssten dagegen klagen. Deutschmann und Siemes-Knoblich wollen eine Klage prüfen, sobald der Planfeststellungsbeschluss für den Anschluss bei Müllheim vorliegt, was noch in dieser Woche der Fall sein könnte. Deutschmann kritisierte die am Freitag beschlossenen Kompromisspläne für 6,5 m hohe Lärmschutzwände als „städtebaulichen Supergau“, Siemes-Knoblich sagte zudem, dass es nicht richtig gewesen sei, dass man in Stuttgart im Projektbeirat den Gleisanschluss nur unter Lärmschutzgesichtspunkten betrachtet habe: Fragen der künftigen Güterzugkapazität und der Sicherheit seien zum Beispiel ausgespart worden. „Wir wussten, dass wir schlechte Karten haben“, so Siemes-Knoblich weiter. Und: Es habe eine Ungleichbehandlung der Betroffenen entlang der Strecke gegeben, so Deutschmann. (MBB)

 

 

 

MdL Bärbl Mielich:
„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“

„Die Reaktionen bezüglich der Ergebnisse des Projektbeirats zur Rheintalbahn einiger CDU Abgeordneter und leider auch der BürgermeisterInnen der Region erwecken den Eindruck, dass vor allem parteipolitische Motive eine Rolle spielen. Damit wird die Realität komplett verdreht, schlimmer noch: es wird dem Ansinnen und dem Engagement der Bevölkerung in keinster Weise gerecht“, erklärt die grüne Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich. „Es ist ein klassischer Kompromiss, der allerdings ohne die Bürgerinitiative und die Bevölkerung vor Ort nicht möglich gewesen wäre. Jetzt geht es darum, die Umsetzung entsprechend aus der Region zu begleiten.“

 

 

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