Markgräfler Bürgerblatt

Atomkraftwerk Fessenheim: Es läuft und läuft und läuft….

Sieht ungefährlich aus, ist es aber nicht: sollte ein „GAU“ eintreten, sind nicht nur in weitem Umkreis Badens Bürger vom Fessenheimer Unglück betroffen, auch der Oberrhein dürfte auf lange Zeit nicht mehr als Wasserstraße nutzbar sein. Foto: rs

Müllheim. „Wir müssen endlich Klarheit haben, wann das älteste französische Atomkraftwerk abgeschaltet wird“, forderte jüngst die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Hintergrund für diese Aussage sind nicht nur die nach und nach ans Licht gekommene Details des Störfalles vom April 2014, sondern die widersprüchlichen Aussagen der Regierung in Paris.
Emanuelle Cosse, Wohnungsbauministerin und ehemalige Chefin der französischen Grünen, hatte Anfang März erklärt, Fessenheim werde 2016 stillgelegt. Dem widersprach Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal: Es bleibe beim Plan, 2016 lediglich die Prozedur zur Abschaltung einzuleiten. Das sei ein komplexer Vorgang, bei dem neben bürokratischen Vorgaben, komplizierten Sicherheitsvorschriften auch das Schicksal der rund 2.000 Beschäftigten bedacht sein wolle. Man könne, so Royal, ein AKW nicht wie einen Wasserhahn einfach abdrehen.
Auf deutscher Seite gibt es nun eine breite Front von Fessenheim-Gegnern jeglicher Couleur. „Gerade weil das Abschalten eines AKW nicht wie das Abdrehen eines Wasserhahns ist, muss alles unternommen werden, um den jahrelangen Stilllegungsprozess so schnell wie möglich einzuleiten und den Menschen am Oberrhein wirtschaftliche Alternativen aufzuzeigen“, entgegnen die Grünenpolitikerinnen Kerstin Andreae und Bärbel Mielich.
Die Situation ist gespannt, weil nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung der Störfall 2014 wohl deutlich ernster war, als es die französische Atomaufsichtsbehörde dargestellt hatte. Freiburgs Umwelbürgermeisterin Gerda Stuchlik: „Wir haben keinerlei Vertrauen mehr in den Betreiber EDF und die französische Regierung. Der Zwischenfall bestätigt, dass das AKW Fessenheim ein immenses Gefahrenpotenzial birgt.“
Pikant ist, was die ÖDP vermeldet: Der landeseigene Energieversorger EnBW hat seit Inbetriebnahme Fessenheims Bezugsrechte für französischen Gefahrstrom, da sich das Unternehmen in Höhe von 17,5 Prozent am Bau des AKW beteiligte und jedes Jahr einen entsprechenden Teil der Betriebs- und Investitionskosten trägt, wofür EnBW 17,5 Prozent der Stromproduktion erhält. Im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen unter anderem Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident Dr. Nils Schmid (SPD), Staatsministerin Silke Krebs (Grüne), Gunda Röstel, ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, zwei CDU-Landräte, ein CDU-MdL sowie drei hauptamtliche ver.di-Gewerkschafter…(MBB)

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