Markgräfler Bürgerblatt

60 Jahre „Müllemer Hudeli“

Max Schweinlin in der Müllemer Bütt. Archiv-Foto

Närrisches Jubiläum:

Müllheim. Da stand er also in der Bütt der Martinskirche, anno 1958, dr’ Schweinlin Max und schoss seine spitzen Pfleil’chen auch gen Neuenburg, noch nicht wissend, dass er eines Tages als Neuenburger Dorfvogt (1965 – 1991) die Richtung wechselt, um dann in der Zähringer Bütt die „Müllemer Nochbere“ zu zwicken. Die Gästeschar der Neuenburger „Rhiischnoge“ mit Prinz Karl VI. an der Spitze wurden an jenem Abend von Hudeli-Präsident Rudolf Koenen mit dem keck behaupteten Antrag begrüßt, dass man Neuenburg in Müllheim durchaus mit Freude eingemeinden wolle, wenn zugleich das Projekt „Rheinhafen Müllheim“ zustande käme.

Liest man die Programmfolge der Hudeli-Premiere vom Februar 1958, so wird deutlich, wie bescheiden und zugleich hoch engagiert die Fasnachtsakteure und der Elferrat mit Präsident Rudolf Koenen zum „Bombenerfolg“ der Veranstaltungen beigetragen hatten. Die Stimmungs- und Schunkelschlager „Kornblumenblau“ und „Wir kommen alle in den Himmel“ illustrierten zwischen 20.11 Uhr und 23.30 Uhr ein närrisches Menü, das sich noch nicht an den professionellen Kochkünsten der Fernsehfasnacht zu messen hatte. Dafür gab es seinerzeit reichlich mit lokalen Zutaten servierte Schnitzelbänke und Gesangsnummern der Bühnenakteure Geschwister Eckert, Wolfgang Merz, Willi Steinike, Helene Steck, Hermann Strohmeier, Adi Engler und Linder-Munz und gleich mehrfach im Programm, der bereits erwähnte Fasnächtler Max Schweinlin. Mit auf dem Narrenschiff der „Klemmbachdampfschiffahrtsgesellschaft“ war auch die örtliche Marinekameradschaft versammelt und die Stadtkapelle Müllheim unter der Leitung von Karl Zettelmayer präsentierte mehrfach den „Müllheimer Narrenmarsch“.

Erst wenige Wochen zuvor hatte man im Klemmbachstädtle die Narrenzunft (wieder) gegründet; die Müllheimer Fasnacht selbst hat ja Wurzeln, die viele Jahrzehnte zurückreichen, wie unter anderem Zeitungsannoncen für „Kappenabende“ schon in den Vorkriegsjahrzehnten belegen. Der Pressekollege „fjm“ Franz-Josef Mayer lobte 1958 die beiden Zunftabende als Beweis, „dass es in Müllheim geistreiche und humorvolle Menschen gibt, die das, was sie zu sagen hätten, zwar recht würzig, aber doch sehr taktvoll unter das närrische Volk gleiten ließen.“ Astrid Siemes-Knoblich‘ Amts-Vor-Vor-Vorgänger Erich Graf jedenfalls stieg 1958 ebenfalls in die Bütt. Unter großem Beifall verkündete er am Gemeinderat vorbei sein neues „10-Punkte-Programm“ zum Wohle der Stadt Müllheim; unter anderem sei kommunalpolitisch unabdingbar, dass jedes Kind baldmöglichst seinen eigenen Kindergarten bekomme, zudem brauche die Stadt mindestens zwei Bäder und nach 50 Jahren des Wartens stünde der Bau einer Festhalle sowieso unmittelbar bevor. „Schöns wär’s“, seufzte das närrische Volk und wollte ihrem Stadtoberhaupt die Versprechungen nicht glauben. (KA)

 

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