Markgräfler Bürgerblatt

205 kg Rauschgift beschlagnahmt

THW-Einsatzleiter Sven Konstanzer bei der Arbeit an den als Drogenversteck dienenden Stahlträgern. Foto: Deckert

Ermittler stoppen internationalen Marihuanaschmuggel

Breisach. Mitten in der Europastadt wurde vergangene Woche ein vormals sicherheitsverwahrter Mörder und Sexualstraftäter bei spektakulärem Drogenfall festgenommen. Er hatte in Breisach und Emmendingen eigens Hallen angemietet dort, wohl zusammen mit einem bisher nicht polizeilich auffälligen 32 Jahre alten Mittäter, einen schwunghaften, groß angelegten Drogenhandel aufgezogen, der fernsehreife Dimensionen hat:

Fahnder des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Freiburg verhafteten am Vormittag des 14. November in Breisach einen 65 Jahre alten Deutschen, als er zusammen mit seinem Komplizen gerade 205 Kilo Marihuana von einem LKW abladen wollte. Auch der 52 Jahre alte Fahrer aus der Slowakei wurde kurzzeitig festgenommen. Er wusste aber laut Zoll-Sprecherin Silke Jakobi nichts von den Drogen und kam wieder auf freien Fuß.

Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an und laufen bei der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Zoll und Polizei in Karlsruhe. Sie war dem Mann im Zuge eines anderen Ermittlungsverfahrens auf die Spur gekommen und fand heraus, dass die Dealer den Stoff von Spanien über Frankreich nach Deutschland brachten: Dafür wurde ein eigens präparierter, zerlegter Baukran eingesetzt, in dessen Stahlträgern das Rauschgift so perfekt verpackt und getarnt war, dass Drogenspürhund „Cooper“ vom Lörracher Zoll es fast nicht riechen konnte. „Mindestens zwei Mal“, so Silke Jakobi, wurde die Tour gefahren. Beauftragt wurden unterschiedliche Speditionen.

Viele Fragen sind jedoch noch offen, zum Beispiel zum Verbleib des Drogengelds und der Herkunft der Pistole „Walther P99“ und der 80 Patronen Munition, die man bei der Festnahme des mutmaßlichen Dealers sicherstellen konnte.

Der Fall hat auch eine gewisse politische Brisanz: Der 65 Jahre alte Hauptverdächtige hat unter anderem wegen mehrerer Morde und Sexualdelikte lange Jahre im Gefängnis verbracht. Aufgrund seiner Gefährlichkeit wurde während seiner Haft rückwirkend von der deutschen Justiz eine Sicherheitsverwahrung gegen ihn verhängt. Ein Vorgehen, dass 2010 allerding vom europäischen Gerichtshof (EuGH) als Verstoß gegen die Menschenrechte bewertet wurde, was damals zu einer heiß diskutierten Welle von Haftentlassungen von Schwerverbrechern führte, die in der Folge von der Polizei rund um die Uhr beobachtet wurden.

Laut Silke Jakobi hat das gefundene Rauschgift einen „Großhandelswert“ von 750.000 Euro. „Auf der Straße liegt der Endpreis mindestens dreimal so hoch“, so Jakobi weiter. Die beschlagnahmte Menge von 205 kg Marihuana hätte für mindestens 500.000 Joints gereicht. Die Stahlträger des Krans, in denen die Drogen versteckt wurden, waren so perfekt präpariert, dass das THW zunächst einen der Träger an der Stirnseite aufschweißen, untersuchen und räumen musste, bevor man in der Mitte der Kranbauteile eigens eingepasste Ladeklappen zur Entnahme des Rauschgifts entdecken konnte. Einen vergleichbaren Einsatz habe man in Breisach noch nicht erlebt, so Einsatzleiter Sven Konstanzer: „Bis alles geöffnet, ausgeräumt und gesichert war, ist ein kompletter Arbeitstag vergangen!“ (BA)

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