Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an… Michael Benitz, Bürgermeister von Staufen

Michael Benitz, 54 Jahre alt, verheiratet, 2 Töchter, ist seit 16 Jahren Bürgermeister der Stadt Staufen. Davor war er 13 Jahre lang beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, davon die letzten sechs Jahre als Leiter des Fachbereichs Schulen und Kultur. Benitz musste sich in seinem Amt intensiv mit den Folgen verunglückter Geothermie-Bohrungen auseinandersetzen, die durch die durch sie ausgelösten Hebungen den (Alt-)Stadtkern Staufens beschädigten.

 Kam die Hebungsbewegung völlig überraschend oder hatte man vor Beginn der Bohrungen das Risiko kalkuliert, das die Anhydritschicht, der Vorhandensein ja bekannt war, birgt? Was war Ihre erste Reaktion auf die Entwicklung?

Die Hebungen kamen völlig überraschend. Niemand ging davon aus, dass mit so kleinen Bohrungen ein so problematischer Hebungsprozess ausgelöst werden könnte. Da wir zunächst aufgrund des fehlenden Messpunktenetzes noch gar nicht wussten, was uns geschieht, war natürlich die erste Reaktion die Einschaltung von Geologen und des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beim Regierungspräsidium Freiburg. Außerdem haben wir ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren beim Landgericht Freiburg beantragt.

Sie haben sich zu einem „trouble shooter“ entwickelt, beruhigt, die verschiedenen Parteien an einen Tisch gebracht und für Ihre Kommune das bestmöglich erreicht. Waren Sie auf so eine Mammutaufgabe eingestellt, als Sie ihr Bürgermeisteramt antraten? Ist Ruhe und Rationalität eine Staufener Eigenschaft, denn es ging ja trotz aller Fährnisse stets gesittet zu?

Bei einem Amtsantritt rechnet man nicht mit so einer Herausforderung, sonst würde es wahrscheinlich kaum Bewerber für ein solches Amt geben. Ich bin jedoch sehr zufrieden damit, wie wir das in Staufen bisher hinbekommen haben. Auch wenn manchmal die Nerven bei den Rissgeschädigten und uns allen blank lagen, haben wir immer den Blick auf das Wesentliche gerichtet: Staufen darf auch als Gemeinschaft nicht auseinander brechen. Alle haben verstanden, dass wir außerhalb der Gerichte einen guten Weg gefunden haben.

Hilfsbohrungen haben erreicht, dass die Hebung sich minimiert hat. Heißt das, dass Staufen wahrlich wieder zur Ruhe kommt oder ist das Anhydrit-Vorkommen eine Zeitbombe? Können jetzt die Bürger wie auch die Ratsverwaltung wieder ihre Häuser in Stand setzen? Hat das Erlebnis Staufen der Idee der Geothermie den Todesstoß versetzt?

Durch drei sogenannte Abwehrbrunnen haben wir erreicht, dass die monatliche Hebungsgeschwindigkeit von zunächst 11 Millimetern auf jetzt zuletzt 1,8 Millimeter reduziert werden konnte. Ganz am Ende des Hebungsprozesses sind wir noch nicht. Die geringer geschädigten Häuser in der Peripherie des Hebungsgebietes können aus meiner Sicht schon saniert werden. Aber über den Zeitpunkt entscheidet jeder Eigentümer in eigener Verantwortung.
Die Geothermie hat durch Staufen gelitten, sie bleibt aber eine vernünftige Form der Energiegewinnung, wenn der Untergrund bekannt ist. Aus Schaden wird man klug.

 

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