Breisach Aktuell

Zum 40. Todestag von Bürgermeister Josef Bueb

Ein leidenschaftlicher Europäer und Gestalter des Wiederaufbaus Breisachs

Vor 40 Jahren, am 26. Oktober 1974 starb im Breisacher Rosmann-Krankenhaus nach schwerer Krankheit Breisachs unvergesslicher Bürgermeister Josef Bueb.

 

Der weit über die Grenzen seiner Heimatstadt aufgrund seines großen Europa-Engagements als „Europa-Sepp“ bekannt gewordene populäre Kommunalpolitiker entstammte einer alteingesessenen und mit 10 Geschwistern kinderreichen Familie. Geboren wurde er im elterlichen Haus am Langen Weg am 13. März 1897. Sein Vater Hermann Bueb (1855-1913) war Ratsschreiber und Grundbuchbeamter. In der Volks- und Realschule zählte Josef Bueb stets zu den Klassenbesten. Mit Abschluss der Untersekunda verließ er 1913 die Realschule. Durch den Tod des Vaters war ihm der Weiterbesuch eines Gymnasiums aus finanziellen Gründen nicht möglich. So absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der Tapetenfabrik Erismann . Er meldete sich zwar bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger, wurde aber erst 1916 eingezogen. Nach dem Krieg war er bis 1939 als Industriekaufmann bei Erismann weiter beschäftigt, ab 1921 auch als Auslandsvertreter. Daneben bildete er sich auf der Freiburger Handelshochschule weiter und engagierte sich im kulturellen und gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt. Er war 1924 Mitbegründer der Festspiele und 1927 der Narrenzunft, für die er den Text des Narrenmarsches dichtete und das Motto „Scvhmeck´sch dr Brägl?“ mitprägte. Seit der Schulzeit war Josef Bueb ein begeisterter Theaterliebhaber und spielte manche Rolle in Aufführungen der 1921 gegründeten „Breisacher Theatergesellschaft“. Sein beruflicher Werdegang führte ihn 1928 in die Niederlausitz, wo er in Sorau Gertrud Klenke heiratete (gestorben in Breisach 1996). Seit 1935 arbeitete er im Berliner Auslieferungslager von Erismann. Nach Fronteinsatz, Gefangenschaft und Internierungslager kam er im Juli 1946 in das damals noch fast völlig zerstörte Breisach zurück. Da auch die Tapetenfabrik Erismann abgebrannt war fand er als Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Freiburg ein neues berufliches Betätigungsfeld. Dabei konnte er für seine spätere Arbeit als Bürgermeister wertvolle Erfahrungen auf dem Sozialgebiet sammeln.

Bei der Bürgermeisterwahl im Dezember 1948 trat er als SPD-Kandidat gegen den Amtsinhaber August Ehrlacher (CDU) und Stadtrat Otto Gutmann (FDP) an. Bereits im 1.Wahlgang erhielt er 42 % der Stimmen. Im 2.Wahlgang, bei dem Gutmann seine Kandidatur zugunsten Buebs zurückzog, erreichte er 65 %. Am 29.Dezember 1948 übernahm er die Amtsgeschäfte im Rathaus, das damals noch im Gebäude der Sparkasse seinen Sitz hatte. Die von August Ehrlacher begonnene schwierige und auch mit vielen bürokratischen Hindernissen verbundene Arbeit der Lenkung des Wiederaufbaus führte er mit unermüdlichem Einsatz fort, sodass 1954 auf einer „Wiederaufbaufeier“ in der neuen Stadthalle eine beachtliche Erfolgsbilanz vorgestellt werden konnte. Die Schulen, der Kindergarten, die historischen Stadttore, der Radbrunnenturm, das Rathaus und das Münster waren wiederhergestellt. Die Jugendherberge und das Haus der Jugend an der Münsterbergstraße, die Stadthalle, das Rosmann-Krankenhaus und das Altenheim sowie das Feuerwehrhaus an der Kupfertorstraße wurden neu errichtet. Sportplätze wurden angelegt, Straßen instandgesetzt und städtische Wohnungen geschaffen oder modernisiert.

In Buebs Amtszeit – er wurde 1957 mit 94 % wiedergewählt – wuchs die Einwohnerzahl Breisachs von 2.100 (1948) auf rund 5.000 (1961), worunter auch etwa 2.000 Heimatvertriebene zeitweise oder dauerhaft ihre neue Heimat in Breisach fanden.

Erfolgreich unterstützte Bueb auch die Industrieansiedlung sowie den Denkmalschutz. Besondere Anliegen waren ihm an erster Stelle die Förderung des Europa-Gedankens und die Erhaltung des alten Rheinbettes neben dem neuen Rheinseitenkanal. Beides ist mit seinem Namen bis heute verbunden. Bei der ersten Volksbefragung in Europa über die Errichtung eines europäischen Bundesstaates entschieden sich am 9.Juli 1950 rund 96 & der Breisacher Wählerinnen und Wähler für Europa. Und dass Breisach heute noch direkt am Rhein liegt, geht auf Buebs Vorschlag einer Teilkanalisierung des Rheins ab Breisach in der sogenannten „Schlingenlösung“ zurück, die 1956 im Luxemburger Abkommen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland ihren Niederschlag fand.

1952 wurde Josef Bueb mit dem Bundesverdienstkreuz am Band und 1954 mit dem Bundesverdienstkreuz 1.Klasse ausgezeichnet. Krankheitsbedingt trat er Ende April 1962 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand und vorzeitig von seinem Amt zurück. Auf Beschluss des Gemeinderates wird ihm am 13. März 1963 die Ehrenbürgerwürde für seine außerordentlichen Verdienste verliehen. Und bereits kurz nach seinem Tod beschloss der Gemeinderat im November 1974 die Straße zwischen der Rheinufer- und der Schwanenstraße nach Josef Bueb zu benennen.

Als Zeugnis seines Humors, seiner dichterischen Begabung und seiner Dialektkenntnis veröffentlichte er 1959 unter dem Titel „Bißangeli“ eine Sammlung seiner Gedichte in alemannisch-brysacher Mundart, das in mehreren Auflagen erschien und heute noch im Nachdruck im Museum für Stadtgeschichte erhältlich ist. Es erinnert an den unvergesslichen und prägenden Kommunalpolitiker in Breisachs Nachkriegs-und Wiederaufbaugeschichte, der trotz aller Arbeitsbelastungen und schwierigen Verhandlungen seinen Humor nie verloren hatte. Und wenn heute im Rathaus-Dachreiter bei jeder standesamtlichen Trauung eine Glocke geläutet wird, so geht auch dieser schöne Brauch auf Josef Buebs Idee zurück, das alte Glöcklein aus den Ruinen des Gutgesellentors an dieser Stelle beim Wiederaufbau des Rathauses 1953 als „Hochzittsgleckli“ installieren zu lassen.

Von Stadtarchivar Uwe Fahrer

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen