Markgräfler Bürgerblatt

Tradition, Romantik – und Sicherheitsfragen

Diesseits und jenseits des Rheins eröffnen die Weihnachts- und Adventsmärkte - wie hier in Colmar. Die Märkte sind unbedingt einen Ausflug wert: märchenhafte Dekoration und Beleuchtung, Buden voller Weihnachtszauber und Geschenkideen. Doch im Hintergrund dieser zauberhaften Märkte steht für die Veranstalter die Frage: wie sorgen wie für höchstmögliche Sicherheit in einer Welt des Terrorismus und Fanatismus? Foto: hz

Weihnachtsmärkte in der Regio:

Freiburg. Ein Jahr ist es nun her, dass ein Fanatiker mit einem schweren Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche raste und zwölf Besucher tötete. Nun sind Weihnachtsmärkte wieder überall zu finden – mal mehr kommerziell, mal liebenswürdig selbstgestrickt, mal romantisch-verträumt. Doch alle haben das gleiche Problem: wie stellt man Sicherheit her in einer Welt, die auch ein Jahr nach dem Berliner Anschlag keineswegs friedlicher geworden ist.

Beim westlichen Nachbarn gibt man sich offen entschlossen: Polizei, Gendarmerie, Militär und private Sicherheitsdienste sind im Einsatz, ebenso Betonblöcke und schwere Fahrzeuge, die Zufahrten zu den Märkten blockieren. In Colmar, sehenswert mit seinem in der romantischen Altstadt angesiedelten Markt, spricht man gar von „hermetischer Abriegelung“. In Mulhouse setzt man darauf, dass es kaum möglich ist, mit einem schweren Fahrzeug den Rathausplatz mitten im alten Stadtkern zu erreichen. Patrouilliert wird dennoch, denn, so Wolfgang Dorst, 1. Vorsitzender des Gewerbevereins Staufen, Ausrichter eines traditionsreichen Weihnachtsmarktes, „was soll ich sonst tun, wenn einer eine Bombe im Rucksack, in der Einkaufstüte oder um den Leib gebunden hat?“ Staufen setzt auf „dezente Wachsamkeit“, konkret sind Sicherheitsleute in Zivil unterwegs, in der Hoffnung, Verdächtige rechtzeitig aufzuspüren und unschädlich zu machen.

Laura Riske, Sprecherin des Polizeipräsidiums Freiburg, das für ganz Südbaden zuständig ist, erklärt, dass aktuell keine konkreten Hinweise auf mögliche Anschlagsgefahren vorlägen. Die Polizei habe auf die regionalen Verhältnisse bezogene Weihnachtsmarktkonzepte entwickelt – für den Weihnachtsmarkt in Freiburg beispielsweise Zivil- und uniformierten Streifen zu stark frequentierten Zeiten. Der französischen Idee einer Komplettsperrung steht man in Freiburg skeptisch gegenüber. Riske: „Eine generelle Sperrung ist nicht möglich, da Lieferverkehr gewährleistet werden muss“ – aber: „Sequenzielle Zufahrtserschwerungen durch das Abstellen von Dienstfahrzeugen zu den Einsatzzeiten sind vorgesehen.“

Welche Maßnahmen im Einzelnen getroffen werden, wollen die Verantwortlichen in Freiburg genauso wenig sagen wie an anderen Orten. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Egal, ob Bad Krozingen, Staufen, Breisach oder Müllheim – überall gilt, was Gabriele Kawlath, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Müllheim, sagt: „Für alle Bereiche wurden Empfehlungen oder Auflagen ausgesprochen, die die Stadt Müllheim gemeinsam mit den jeweiligen Veranstaltern entsprechend umsetzt. Zusätzliche Kosten entstehen im konkreten Fall nicht.“

Das ist die gute Nachricht – vermutet doch BILD, dass die Sicherheit Glühwein, Bratwurst und Weihnachtsgeschenke verteuern würde. Das, so ist übereinstimmend in Südbaden zu hören, 2017 nicht der Fall. Ob das 2018 so bleibt, ist ungewiss. Wolfgang Dorst: „Wir müssen den diesjährigen Weihnachtsmarkt abwarten und dann mit spitzem Stift nachrechnen…“ (paw)

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