Markgräfler Bürgerblatt

Schöne Bescherung im grenzüberschreitenden Handwerkereinsatz

Dass es dank restriktiver und wenig realitätsnaher Vorschriften schwierig ist, einen kleinen Handwerks-Grenzverkehr zu pflegen, das wissen wir ja nun schon eine Weile. Auch wenn es dem Einzelnen vielleicht nicht so ganz klar war, wie sperrig die französischen Maßnahmen sind. Dass aber Europa Wunderland sein kann, das erfuhr unser Mitarbeiter Uli Homann, als er dringend kurz vor Weihnachten seine Heizung wieder zum Laufen bringen lassen wollte. Hier seine Abenteuer:

Am Samstag, 16. Dezember, fiel bei mir der Gasbrennwertkessel in meinem Haus in Vogelgrun im Elsass aus. Ein angeblich hochwertiges Produkt des Herstellers Viessmann („der Daimler unter den Heizkesseln“). Eingebaut hatte das Gerät im Herbst 2000 ein Breisacher Fachbetrieb, der es auch ständig wartete. Das vermeintliche Spitzenprodukt war ziemlich schadensanfällig, immer wieder mussten Ersatzteile ausgewechselt werden.

Ausfall jetzt also am Samstagabend. Der verständigte Breisacher Betrieb ließ verlauten, über das Wochenende könne er keinen Monteur schicken, da er dessen Einsatz bei der französischen Bürokratie nur an Wochentagen anmelden könne. Also warten: Dienstag früh, 19. Dezember,kam der Monteur. Nach kurzem Check stellte er fest: die zentrale Steuerungseinheit war hinüber. Zwei Telefonate führte er, dann hieß es: das Steuerungsmodul ist nicht mehr lieferbar. Totalschaden!

Was tun nach drei Tagen ohne Heizung und Warmwasser? Es helfe nur der Einbau eines neuen Gasbrennwertkessels, hieß es von Seiten des Breisacher Handwerksbetriebes. Inzwischen sei die rechtliche grenzüberschreitende Lage aber so, dass deutsche Handwerker in Frankreich keine Gasinstallationen mehr übernehmen dürften. Eine weitere Behinderung für deutsche Handwerker. Über die schon oft beklagte pro Einsatz mit viel Aufwand zu betreibende und für den Kunden kostspielige Entsende-Registrierung eines deutschen Monteurs für Arbeiten im Elsass hinaus.

Jetzt lief die Sache auf unglaubliche Weise heiß: Ein elsässischer Fachbetrieb, in der Not konsultiert, um einen neuen Kessel möglichst noch vor Weihnachten einzubauen, war anders als das deutsche Unternehmen binnen eines Tages in der Lage, das angeblich nicht mehr lieferbare Steuerungsmodul ( Kostenpunkt etwa 700 Euro) zu besorgen. Einen Tag nach der Kontaktaufnahme wurde die Einheit installiert, es gab keinen vom Breisacher Handwerksbetrieb konstatierten Totalschaden der Heizung, sie funktioniert wieder einwandfrei. Der Elsässer Handwerker wäre in der Lage gewesen, nicht nur eine, nein, gleich zehn solche Ersatzteile zu bekommen – Ersatzteile, die es vom renommierten deutschen Hersteller Viessmann und dessen Zulieferern auf deutscher Seite nicht mehr gibt.

Skandalös. Wie mir berichtet wurde, haben deswegen schon mehrere Kunden im südbadischen Raum neue Brennwertkessel installieren lassen, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Dem Hersteller Viessmann habe ich dazu Fragen gestellt: Wie kann es sein, dass für ein angebliches Spitzenprodukt nach 17 Jahren entscheidende Ersatzteile in Deutschland nicht mehr lieferbar sind? Warum werden die Kunden nicht über diesen unglaublichen Umstand informiert? Woran liegt es, dass es für das Steuermodul in Frankreich keinerlei Lieferprobleme gibt? Und warum wissen deutsche Handwerksbetriebe, die mit Viessmann-Produkten arbeiten, nicht, dass es im benachbarten Ausland noch ausreichend Ersatzteile gibt, die lächerlicherweise in Deutschland nicht mehr zur Verfügung stehen? Auf die Antworten bin ich gespannt. Ganz zu schweigen von der neuerlichen Einsicht, dass europäische Freizügigkeit, was grenzüberschreitende Handwerkerbeschäftigung angeht, einem Witz gleichkommt. (uh)

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