Markgräfler Bürgerblatt

Pornos, Gedichte und ein Wolfsmensch

Sah sich Hussein K. als Wolfsmensch, als er Maria L. Vergewaltigte und tötete? Foto: SD

Hussein K. und die Wölfe:

Freiburg. Was sagen die Auswertungen von Handydaten und Facebook-Konto über den Tatverdächtigen im Mord an der Freiburger Medizinstudentin Maria L. (19) vom Oktober 2016 aus? Diese Frage stand jüngst im Mittelpunkt des bislang jüngsten Verhandlungstages im Mordprozess gegen den mutmaßlichen Sexualverbrecher Hussein K.

Die Polizei fand bei der Auswertung eines Tablets aus seinem Besitz rund 500 Pornobilder, die nun dem Gericht zur Analyse überstellt werden. Außerdem ist klar, dass K. in der Nacht, vor der Tat an Maria L., mehrfach mit seinem Mitbewohner in Kontakt stand. Zuletzt etwa eine halbe Stunde vor dem Mord. Doch ist die hier versendete Nachricht sowohl auf dem Handy des Verdächtigen als auch auf dem Telefon seines Mitbewohners in Freiburg-Ebnet gelöscht worden. Im Facebook-Konto des jungen Mannes fanden sich zudem mehrere kurze Gedichte und Einträge, die vom Heimweh und der Sehnsucht des afghanischen Flüchtlings Zeugnis geben.

Und dann war da auch noch das Wolfsbild: Das Bild symbolisiere für ihn, dass es dem Menschen nie gelungen sei, den Wolf zu zähmen. So lautete die Begründung des Angeklagten für das Bild eines Wolfsmenschen, der sich über eine bewusstlose Frau in seinem Arm beugt. Dieses Bild aus dem Facebook-Konto des mutmaßlichen Mörders von Maria L. sorgte nach der Festnahme des Verdächtigen für Furore: Deutete es nicht eine Art künstlerischer Überhöhung von Gewalt gegenüber Frauen an?

Hussein K. sagt lediglich, dass das Bild ihm „gefallen“ habe und er es deshalb ab März 2016 auf Facebook verwendet habe. Doch scheint es auch zur Tat an Maria L. zu passen, bei der K. seinem Opfer mehrere Bissverletzungen zufügte und über die er gegenüber einem Mitgefangenen behauptet haben soll, dass er die Tat „wie ein Tier“ begangen habe. Fühlte sich K. gar einer Art Werwolf gleich, als er in der Vollmondnacht zum 16. Oktober 2016 zuschlug? Der Frage wurde vor Gericht nicht näher nachgegangen. Vielmehr wurden die Ergebnisse der ersten Vernehmung des Verdächtigen nach seiner Verhaftung geschildert: Demnach hat K. ohne große Regung alles über sich ergehen lassen. Seine Hauptsorge sei gewesen, ob die Anschuldigungen der Polizei Auswirkungen auf sein Asylverfahren hätten, so der Polizist, der im Zeugenstand gehört wurde. Für Verteidiger Sebastian Glathe deutet das Vernehmungsprotokoll an, dass K. nicht wirklich verstanden haben könnte, welchen Status er als Beschuldigter hatte. Der anwesende Dolmetscher bei der Vernehmung sprach offenbar selbst nicht allzu gut Deutsch.

Laut Polizei wurden zudem zwei Schriftstücke bei Hussein K. entdeckt: Eine Art Lebenslauf, die sich mit den Angaben des Angeklagten vor Gericht zu decken scheint. Und ein Blatt Papier, auf dem K. in arabischer Schrift und griechischer Sprache etwas über den Mordversuch aufgeschrieben haben soll, den er 2014 in Griechenland an einer jungen Frau begangen hat. Der Angeklagte wollte dazu vor Gericht nichts sagen. Nun muss das Gericht einen Übersetzer finden, der nicht nur Griechisch spricht, sondern auch arabische Schriftzeichen lesen kann. (MBB)

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