Markgräfler Bürgerblatt

Kommt der Zug weiter in Verzug?

Wo heute geschweißt und geschraubt soll ab 2041 nach dem Willen der Deutschen Bahn ein ICE nach dem anderen mit Tempo 250km/h vorbeipreschen – sehr zur Freude der Anwohner. Foto: Amann

Der Tempokonflikt um die Rheintalbahn hält an

Freiburg/Markgräflerland. Der Konflikt zwischen Bahn und Bürgerinitiativen ist hochkomplex und auch für geübte Beobachter schwer zu durchschauen. Aber einfach gesagt: Die Deutsche Bahn will auf der Rheintalstrecke ICE-Züge ab 2041 zwischen Karlsruhe und Basel mit bis zu 250 km/h hin und her sausen lassen. Und da wehren sich die Bürgerinitiativen.

Mit hoher Sachkompetenz ausgestattet wird deren Konsortium aus 15 Kommunen und Bürgerinitiativen eine Expertise beim Züricher Ingenieurbüro „EBP“ in Auftrag geben. In einem Schreiben an Philipp Langenfeld, Leiter des Großprojektes Karlsruhe – Basel, DB Netze AG, stellt die „IG Bohr “ (= Bahnprotest an Ober- und Hoch-Rhein) fest: „Wir möchten der irrigen Meinung entgegentreten, Kommunen und IG Bohr wollten (…) die maximale ICE-Geschwindigkeit von 250 km/h „bekämpfen“ und einen „Konsens aufkündigen“. Wir wollen kommunizieren, das wir das nicht tun, aber dass wir uns erlauben, Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit kritisch zu hinterfragen, denn hier ist viel Geld im Spiel, das nach unserer Vermutung nicht ausgegeben werden müsste. (…) Da der Ausbau der Bestandsstrecke auf die Hochgeschwindigkeitsvariante nach dem Zeitplan der DB erst nach 2035 in Angriff genommen wird, fällt er bereits in die Zuständigkeit des nächsten Bundesverkehrswegeplans (2030-2045).“

Die „Bahnwiderständler“ suchen mit diesem Gutachten eine „betriebliche und ökonomische Optimierung bei einer Reduzierung der Geschwindigkeit“. Die DB Netz AG schrieb am 6. Juni 2017 an Dr. Roland Diehl, Sprecher IG Bohr: „Zunächst möchten wir festhalten, dass uns die Zielstellung und der Zeitpunkt der beabsichtigten Studie sehr verwundern. Wir sind der Auffassung, dass in der Entscheidungsfindung des Projektbeirats zu den Kernforderungen der Region das Thema Fernverkehrs-Höchstgeschwindigkeit ausreichend Raum eingenommen hat und hierzu auch klare Entscheidungen getroffen wurden. (…) Seitdem hat eine kontinuierliche Weiterentwicklung der planerischen Erkenntnisse stattgefunden. Im Herbst 2016 haben wir Ihnen (…) anlässlich der Fragestellungen zu Müllheim- Auggen ebenfalls die Erkenntnisse zum erforderlichen Ausbau auf 250 km/h dargestellt. Die dort eindeutig festgestellte Notwendigkeit dieser Ausbaugeschwindigkeit für den Fernverkehr lässt keine offenen Fragen zur Ausbaugeschwindigkeit mehr übrig.“

Die Deutsche Bahn besteht also auf Tempo 250 km/h für ICE-Züge. Eindringlich verweist sie auf die Verzahnung von Fern, Nah- und Güterverkehr im Zusammenhang mit künftigen Fahrplänen und Schienenauslastungen. Nichts fürchtet die Bahn mehr als weitere, zeitliche Projektverzögerungen, flankiert durch neue verkehrspolitische Eingriffe oder durch neue Gerichtsentscheidungen im Zusammenhang mit Schallschutzkonzepten. Kein Zweifel, dass die Deutsche Bahn im Rahmen der bundespolitischen Vorgaben für die europäische Bahnstrecke Nord-Süd plant, handelt und sich letztendlich durchsetzen wird. (KA)

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