Markgräfler Bürgerblatt

Jetzt wird schon über die Zeit danach diskutiert

Neben dem Haupteingang zum KKW die Forderung auf einem Plakat: "Keine Schließung von Fessenheim". Foto: Uli Homann

Regierungspräsididentin rechnet fest mit Stilllegung von Fessenheim

Breisach. Zum ersten Mal hat ein hochrangiger französischer Regierungsvertreter direkt mit einer Repräsentantin der Region am Oberrhein über die Abschaltung des Kernkraftwerks Fessenheim gesprochen. Der französische Umweltstaatssekretär Sébastien Lecornu frühstückte mit der südbadischen Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in Colmar. Dabei bestätigte er die Absicht seiner Regierung, dann für die Abschaltung des KKW Fessenheims zu sorgen, wenn der neue französische Euroreaktor in Flamanville in der Normandie am Ärmelkanal ans Netz geht. Das wird frühestens Ende 2018 sein. Aber, da ist sich die südbadische Regierungspräsidentin ganz sicher: „Die Schließung ist entschieden“.

Schäfer und Lecornu sprachen über die Gründung einer Freihandelszone, so die Regierungspräsididentin, und über ein „großes deutsch-französisches Programm“ für die Zukunft der Region um Fessenheim. Der gehen mit der Schließung des Kraftwerks jährlich 14 Mio. Euro Steuern verloren. Nahverkehrsprojekte wie ein Schnellbus von Freiburg nach Colmar und eine Bahnverbindung über Breisach ins Elsass müssten jetzt beschleunigt werden. Besonderes Augenmerk wird auf Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe bei Fessenheim gelegt.

Bärbel Mielich, Staatssekretärin im baden-württembergischen Sozialministerium und Grünen-Abgeordnete aus dem Breisgau, begrüßte die Gespräche über die Zeit nach der Schließung. Sie drängte aber auf eine sofortige Stilllegung des „unsicheren und gefährlichen“ Atommeilers. „Von der Electricité de France (EdF) erwarte ich, dass sie den Stilllegungsantrag sofort stellt“, erklärte die Grünen-Politikerin.

Unterdessen arbeitet das Regierungspräsidium an einer Neufassung der Evakuierungspläne für den Breisgau und das Markgräflerland. Die Zentralzone mit Evakuierung innerhalb von sechs Stunden wurde von zwei auf fünf Kilometer ausgedehnt ( Grißheim, Gewerbepark Breisgau, Bremgarten). Die Mittelzone mit Evakuierung innerhalb von zwölf Stunden ist von zehn auf 20 Kilometer erweitert und reicht bis zu den westlichen Stadtteilen Freiburgs. Die Außenzone ohne Evakuierung ist neu auf die Entfernung von 100 statt 25 Kilometern festgelegt.

Dabei geht Regerungsvizepräsident Clemens Ficht davon aus, dass im Fall einer Havarie des Atomreaktors zwei Drittel der Bevölkerung „sofort abhaut“. Aus Lahr werden aus einem speziellen zentralen Bundeslager in die Evakuierungs-Zonen als erstes Jod-Tabletten transportiert. Dazu werden zahlreiche Ausgabestellen in den besonders gefährdeten Zonen eingerichtet. Bei der Evakuierung werde zunächst besonderes Augenmerk auf Kitas, Schulen, Krankenhäuser und Seniorenheime gelegt. (uh)

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