Markgräfler Bürgerblatt

Drei Fragen an… Alexander Hangleiter

Alexander Hangleiter, Geschäftsführer der Dehoga in Freiburg

Drei Fragen an…
Alexander Hangleiter, Geschäftsführer der Dehoga in Freiburg

Geschäftsführer Alexander Hangleiter, 47 Jahre, ist Hotelfachmann und Jurist und seit 2004 beim Dehoga beratend für 1.900 Mitgliedsbetriebe aus Gastronomie und Hotellerie tätig. Er weiß aus vielen Kontakten und seiner Zusammenarbeit mit neun Dehoga Kreisstellen, wo dem Gastgewerbe der Schuh drückt.

Gasthäuser waren und sind oft Treffpunkte – für Feste, für`s Klönen, für Vereinsabende, Veranstaltungen etc. Aber immer mehr (deutsche) Wirte geben auf: warum? Im Gegensatz dazu prosperieren die Gaststätten, die von italienischen, türkischen oder anderen Nationen betrieben werden. Haben Deutsche keine Lust auf die oft harte Arbeit im Gastgewerbe?
Mit dem von Gästen akzeptierten Preis ist ein auskömmliches Wirtschaften schwer möglich geworden. Viele Gäste vergleichen die Preise mit denen großer Handelsketten. In einer ordentlichen Gaststätte ein Schnitzel für 8,50 Euro zu erwarten, kann auf Dauer nicht gut gehen. Preisbestandteile wie die hohen Pachten, Löhne und Zuschläge für Feiertags- und Sonntagsarbeit, Kosten für Tischwäsche, Deko usw. werden übersehen. Laut einer Studie des Kölner IW-Instituts sind die Kosten der Gastronomie zwischen 2010 und 2016 um 26 Prozent gestiegen, die Poduktivität jedoch nur um 12 Prozent. Mit der Nationalität hat das nichts zu tun. Auch internationale Betriebe haben mit den gleichen betriebswirtschaftlichen Gesetzen zu arbeiten. Schließlich wollen sich die Wirte die gängelnde Bürokratie nicht mehr antun.

Man hört, dass es manchmal nicht möglich sei, kostendeckende Preise zu verlangen – aber eine Gastronomie 15 oder 20 km weiter kann das: ist der Markt gespalten? In was? Spielen eventuell auch andere Besonderheiten (Lage, Ruf als Gourmet-Dorado etc.) eine Rolle? Ist Baden als kulinarisch äußerst gut besetzte Region besonders schwierig? Wie könnte man aus Ihrer Sicht die Situation für die Gastronomen verbessern?
Dass die Gastwirte im Umland kostendeckender arbeiten könnten, ist nicht der Fall. Im Elztal wurde mir zum Beispiel gesagt, dass höhere Preise „hier draußen“ nicht durchsetzbar sein. Manch einer profitiert davon, keine hohe Pacht erwirtschaften zu müssen. Wer Unterkünfte hat, kann Verluste in der Gastronomie stützen. Doch auch Hotels trennen sich teilweise von der kostenintensiven Gastronomie. Baden steht wegen vieler inhabergeführten Betriebe eher besser da, als Regionen, in denen es mehr Pachtbetriebe gibt.
Helfen könnte mehr Verständnis vieler Gäste über die Kostenstruktur. Die Bundespolitik könnte helfen, indem sie Gaststätten fair behandelt, so wie Filialbäcker oder Metzger, die sie für den Verkauf über die Straße mit 7 Prozent Mehrwertsteuer begünstigt, während der Wirt für seine zusätzlichen Leistungen 19 Prozent abführen muss. Tut die Politik dieses nicht, benachteiligt sie die Wirte weiter.

Fachkräftemangel überall, die Arbeitszeiten in Gastronomie und Hotellerie haben abschreckende Wirkung – das könnte ein Grund für das „Sterben“ sein. Aber gleichzeitig sind derzeit so viele Menschen wie noch nie in Gastronomie und Hotellerie beschäftigt: wie erklärt sich dieser Gegensatz?
Die Zahlen stützen die oft gehörte Behauptung der abschreckenden Wirkung nicht. Im Landkreis hat die Beschäftigtenzahl in der Gastronomie zwischen 2014 und 2016 um vier Prozent zugenommen, im gesamten Gastgewerbe um sieben Prozent. Die Gästenachfrage steigt, doch es gibt hier nicht genügend Mitarbeiter, wie auch in anderen Branchen.

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