Markgräfler Bürgerblatt

67. IAA Pkw

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IAA in Frankfurt/Main vom 14. bis 24. September 2017

Nach dem Dieselskandal durfte man getrost gespannt sein, was insbesondere die deutsche Autoindustrie auf dieser Messe zeigen würde. Kurz gesagt: man tat so, als sei nichts gewesen und hat sich höchstens in einem Nebensatz mit Stickoxiden und Flottenverbräuchen beschäftigt. Denn fakt ist, dass noch eine ganze Weile der Verbrennungsmotor – ob Benziner oder Diesel – unverzichtbar ist. Es mag Auftrieb für den Benzinmotor geben, aber auch dies ist für`s erste in größerem Umfang kaum zu erwarten – zumal beide Antriebskonzepte in ihrer aktuellen Form durchaus keine Umweltsünder sind. Frankfurt 2017 signalisierte eindeutig: „Der Verbrennungsmotor ist noch lange nicht tot!“

Verständlich, denn die alternativen Antriebsformen wurden – zumindest von der deutschen Autobranche – nur zögernd und zurückhaltend entwickelt. So fragen sich viele, warum deutsche Autobauer auch 2017 vor allem Elektro-Showcars zeigen – Tesla dagegen das Model 3 und Nissan die zweite Generation des Leaf, ein Auto, von dem die Japaner über 300.000 Exemplare verkauft haben?

Großes Thema war eindeutig die Elektromobilität und man konnte den Eindruck gewinnen, dass nur sie die Zukunftslösung für den Individualverkehr sei. Volvo gar kündigte an, den Verbrenner nach und nach auslaufen zu lassen und bald in jedem Auto einen Elektromotor zu verbauen – auch wenn am Anfang noch ein Benziner oder Diesel mit an Bord ist. Bei der IAA legte Jaguar Land Rover mit einem ähnlichen Versprechen nach.

Was gab es auf dem „E-Mobil-Sektor“ nicht alles: Elektroautos, die vernetzt sind, autonom fahren und sich mit anderen Nutzern teilen lassen. Einziges Problem: Wann diese Wundervehikel auf den Markt kommen, das konnte (oder wollte?) keiner sagen…

Dabei gilt es beim Elektromotor, trotz aller Vorzüge, noch einige Hindernisse zu überwinden: Er erzeugt seine Antriebskraft aus einer mitgeführten Batterie. Die muss regelmäßig neu aufgeladen werden. Elektrische Energie wird also direkt in Bewegungsenergie umgewandelt. Das Problem: Günstigere Batterien bringen heute noch keine große Reichweite. Und generell sind E-Autos bisher relativ teuer. Manche Hersteller wollen nun auch Modelle unterhalb der Oberklasse anbieten, die schon einige hundert Kilometer schaffen. Während es in Großstädten dichte Ladenetze gibt, ist die Abdeckung auf dem Land noch dünn.

Beim Elektromotor entstehen keine Emissionen, weil er keine Treibstoffe verbrennt. In der Ökobilanz ist aber zu beachten, dass auch die Art der Erzeugung des eingespeisten Stroms (erneuerbare oder fossile Quellen) sowie die Rohstoffe für Batterie und Motor (etwa Seltene Erden) berücksichtigt werden müssen.

Fast in Vergessenheit geriet auf der IAA, dass es neben dem E-Mobil auch noch andere, durchaus zukunftsträchtige Konzepte gibt – so zum Beispiel den Hybridmotor. Er kombiniert einen E-Antrieb, der meist im unteren Leistungsbereich läuft, mit einem Verbrenner, der sich zuschaltet. Es gibt auch hier mehrere Formen. Manche Hybride gewinnen den Strom für den Elektromotor während des Fahrens – etwa durch die Nutzung der Energie, die beim Bremsen entsteht (Rekuperation). Gebräuchlicher ist inzwischen der Plug-in-Hybrid, dessen Batterie wie bei einem reinen E-Fahrzeug per Stecker aufgeladen wird.

Da gibt es aber auch noch den Gasmotor, dessen Funktionsprinzip das der Verbrennungsmotoren ist, nur dass hier Luft und Erdgas – anstelle von Luft und flüssigem Sprit – im Zylinder gezündet werden. Die Gase reagieren dabei oft „sauberer“ und effizienter, so dass viele Gasmotoren eine gute Umweltbilanz aufweisen. Einige Fahrzeuge laufen auch mit Autogas (LPG), manche können wahlweise mit Gas oder mit herkömmlichem Sprit fahren.

Der Brennstoffzellen-Motor wiederum ist eine besonders einfache und zugleich umweltfreundliche Antriebsart. Grundprinzip ist meist die Verbrennung von Wasserstoff (H2) mit Sauerstoff (O2) zu Wasser – im Brennstoffzellen-Motor läuft also das, was man „Knallgas-Reaktion“ nennt, kontrolliert ab. Die erzeugte Energie treibt einen Elektromotor an. Der Vorteil: Außer Wasserdampf, der ein natürliches Treibhausgas ist, kommt nichts aus dem Auspuff.

Nachteile: Die Technik ist teuer. Und wie beim E-Auto muss man sich die gesamte Energiebilanz ansehen: Reiner Wasserstoff ist auf der Erde selten, man muss ihn erst – oft durch starke Energiezufuhr von außen – aus Verbindungen lösen. Dabei kann dann CO2 entstehen. Es gibt jedoch auch Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die mit Methanol fahren. Ein Problem ist das noch dünne Tankstellen-Netz.

Fazit: Der Verbrennungsmotor dürfte noch eine Weile die Nr.1-Antriebsart sein, doch es gibt einige vielversprechende Alternativen, die aber erst noch ausentwickelt werden müssen. Dennoch kann heute jeder umweltbewusste Autofahrer ein Fahrzeug mit „seinem“ Antriebskonzept erwerben. Gehen Sie zu ihrem Händler – dort hat die Zukunft längst begonnen…

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